Das Nußzweiglein
by Ludwig Bechstein

Adapted Version
Once there was a kind father. He had three daughters. Father went on a trip. He asked his girls. The first wanted pearls. The second girl wanted a ring. Lily, the youngest, said, "A green branch, please."
Father found pearls. He found a ring too. He looked for Lily's green branch. He looked everywhere. He could not find it. Father felt sad.
Father walked in a dark forest. He saw a green branch. It had golden nuts. He took the branch. A big Bear came out. The Bear was very angry. He scared Father much.
The Bear roared. He said, "Give me the first thing. You see it at your home. Or I will not let you go. Father scared. He said, "Yes, I will give it."
Father thought, 'My dog first.' He went home. Lily ran to him. She was the first one. Father was very sad. He hugged Lily tight.
Father told his family. Everyone was sad. Lily was not scared. She was brave. She said, 'I will go.' Lily held branch.
One day, the Bear came. He came for Lily. Lily said a sad goodbye. Her family was sad too. Lily went with the Bear. She was brave.
The Bear put his head on Lily. He said, "Scratch my ears." Lily scratched his ears. The Bear liked it. He felt happy.
They came to a dark cave. It was the Bear's home. The Bear said, "Walk through many rooms. Do not look around. There are strange creatures. Just walk straight ahead." Lily felt scared.
Lily was a little scared. But she was very brave. She walked through each room. She did not look around. She looked straight ahead. Just like the Bear said. She kept walking.
Lily came to the last room. A loud sound happened! The cave went away. The strange creatures went away. The Bear changed. He was a kind Prince. They were in a beautiful castle.
The Prince said, "A magic spell made me a Bear." He thanked Lily. "You were brave," he said. "You broke the spell." Lily was happy. The Prince and Lily got married.
Princess Lily kept her green branch. It was special. Her family came to the castle. It was big and beautiful. Everyone lived there. Everyone was very happy. Being brave is good.
Original Story
Das Nußzweiglein.
Es war einmal ein reicher Kaufmann, der mußte in seinen Geschäften in fremde Länder reisen. Da er nun Abschied nahm, sprach er zu seinen drei Töchtern: „Liebe Töchter, ich möchte euch gerne bei meiner Rückkehr eine Freude bereiten, sagt mir daher, was ich euch mitbringen soll?“ Die älteste sprach: „Lieber Vater, mir eine schöne Perlenhalskette!“ Die andre sprach: „Ich wünschte mir einen Fingerring mit einem Demantstein.“ Die jüngste schmiegte sich an des Vaters Herz und flüsterte: „Mir ein schönes, grünes Nußzweiglein, Väterchen.“ — „Gut, meine lieben Töchter!“ sprach der Kaufmann, „ich will mir’s aufmerken und dann lebet wohl.“
Weit fort reisete der Kaufmann und machte große Einkäufe, gedachte aber auch treulich der Wünsche seiner Töchter. Eine kostbare Perlenhalskette hatte er bereits in seinen Reisekoffer gepackt, um seine Älteste damit zu erfreuen, und einen gleich wertvollen Demantring hatte er für die mittlere Tochter eingekauft. Einen grünen Nußzweig aber konnte er nirgends gewahren, wie er sich auch darum bemühte. Auf der Heimreise ging er deshalb große Strecken zu Fuß und hoffte, da sein Weg ihn vielfach durch Wälder führte, endlich einen Nußbaum anzutreffen; doch dies war lange vergeblich, und der gute Vater fing an betrübt zu werden, daß er die harmlose Bitte seines jüngsten und liebsten Kindes nicht zu erfüllen vermochte.
Endlich, als er so betrübt seines Weges dahinzog, der ihn just durch einen dunkeln Wald und an dichtem Gebüsch vorüberführte, stieß er mit seinem Hut an einen Zweig und es raschelte, als fielen Schloßen darauf; wie er aufsah, war’s ein schöner, grüner Nußzweig, daran eine Traube goldner Nüsse hing. Da war der Mann sehr erfreut, langte mit der Hand empor und brach den herrlichen Zweig ab. Aber in demselben Augenblicke schoß ein wilder Bär aus dem Dickicht und stellte sich grimmig brummend auf die Hintertatzen, als wollte er den Kaufmann gleich zerreißen. Und mit furchtbarer Stimme brüllte er: „Warum hast du meinen Nußzweig abgebrochen, du? warum? ich werde dich auffressen.“ Bebend vor Schreck und zitternd sprach der Kaufmann: „O, lieber Bär, friß mich nicht und laß mich mit dem Nußzweiglein meines Weges ziehen, ich will dir auch einen großen Schinken und viele Würste dafür geben!“ Aber der Bär brüllte wieder: „Behalte deinen Schinken und deine Würste! Nur wenn du mir versprichst, mir dasjenige zu geben, was dir zu Hause am ersten begegnet, so will ich dich nicht fressen.“ Dies ging der Kaufmann gerne ein, denn er gedachte, wie sein Pudel gewöhnlich ihm entgegenlaufe, und diesen wollte er, um sich das Leben zu retten, gerne opfern. Nach derbem Handschlag tappte der Bär ruhig ins Dickicht zurück; und der Kaufmann schritt, aufatmend, rasch und fröhlich von dannen.
Der goldene Nußzweig prangte herrlich am Hut des Kaufmanns, als er seiner Heimat zueilte. Freudig hüpfte das jüngste Mägdlein ihrem lieben Vater entgegen; mit tollen Sprüngen kam der Pudel hinterdrein; und die ältesten Töchter und die Mutter schritten etwas weniger schnell aus der Haustüre, um den Ankommenden zu begrüßen. Wie erschrak nun der Kaufmann, als seine jüngste Tochter die erste war, die ihm entgegenflog! Bekümmert und betrübt entzog er sich der Umarmung des glücklichen Kindes und teilte nach den ersten Grüßen den Seinigen mit, was ihm mit dem Nußzweig widerfahren. Da weinten nun alle und wurden betrübt, doch zeigte die jüngste Tochter den meisten Mut und nahm sich vor, des Vaters Versprechen zu erfüllen. Auch ersann die Mutter bald einen guten Rat und sprach: „Ängstigen wir uns nicht, meine Lieben, sollte ja der Bär kommen und dich, mein lieber Mann, an dein Versprechen erinnern, so geben wir ihm, anstatt unsrer Jüngsten, die Hirtentochter, mit dieser wird er auch zufrieden sein.“ Dieser Vorschlag galt und die Töchter waren wieder fröhlich und freuten sich recht über diese schönen Geschenke. Die Jüngste trug ihren Nußzweig immer bei sich; sie gedachte bald gar nicht mehr an den Bären und an das Versprechen ihres Vaters.
Aber eines Tages rasselte ein dunkler Wagen durch die Straße vor das Haus des Kaufmanns und der häßliche Bär stieg heraus und trat brummend in das Haus und vor den erschrockenen Mann, die Erfüllung seines Versprechens begehrend. Schnell und heimlich wurde die Hirtentochter, die sehr häßlich war, herbeigeholt, schön geputzt und in den Wagen des Bären gesetzt. Und die Reise ging fort. Draußen legte der Bär sein wildes, zotteliges Haupt auf den Schoß der Hirtin und brummte:
„Graue mich, krabble mich,
Hinter den Ohren zart und fein,
Oder ich fress’ dich mit Haut und Bein!“
Und das Mädchen fing an zu krabbeln; aber sie machte es dem Bären nicht recht und er merkte, daß er betrogen wurde; da wollte er die geputzte Hirtin fressen, doch diese sprang rasch in ihrer Todesangst aus dem Wagen.
Darauf fuhr der Bär abermals vor das Haus des Kaufmanns und forderte furchtbar drohend die rechte Braut. So mußte denn das liebliche Mägdlein herbei, um nach schwerem bittern Abschied mit dem häßlichen Bräutigam fortzufahren. Draußen brummte er wieder, seinen rauhen Kopf auf des Mädchens Schoß legend:
„Graue mich, krabble mich,
Hinter den Ohren zart und fein,
Oder ich fress’ dich mit Haut und Bein!“
Und das Mädchen krabbelte, und so sanft, daß es ihm behagte und daß sein furchtbarer Bärenblick freundlich wurde, so daß allmählich die arme Bärenbraut einiges Vertrauen zu ihm gewann. Die Reise dauerte nicht gar lange, denn der Wagen fuhr ungeheuer schnell, als brause ein Sturmwind durch die Luft. Bald kamen sie in einen sehr dunkeln Wald, und dort hielt plötzlich der Wagen vor einer finstergähnenden Höhle. Diese war die Wohnung des Bären. O wie zitterte das Mädchen! Und zumal, da der Bär sie mit seinen furchtbaren Klauenarmen umschlang und zu ihr freundlich brummend sprach: „Hier sollst du wohnen, Bräutchen, und glücklich sein, so du drinnen dich brav benimmst, daß mein wildes Getier dich nicht zerreißt.“ Und er schloß, als beide in der dunkeln Höhle einige Schritte getan, eine eiserne Türe auf und trat mit der Braut in ein Zimmer, das voll von giftigem Gewürm angefüllt war, welches ihnen gierig entgegenzüngelte. Und der Bär brummte seinem Bräutchen ins Ohr:
„Seh’ dich nicht um!
Nicht rechts, nicht links;
Geradezu, so hast du Ruh’.“
Da ging auch das Mädchen, ohne sich umzublicken, durch das Zimmer und es regte und bewegte sich so lange kein Wurm. Und so ging es noch durch zehn Zimmer, und das letzte war von den scheußlichsten Kreaturen angefüllt, Drachen und Schlangen, giftgeschwollenen Kröten, Basilisken und Lindwürmern. Und der Bär brummte in jedem Zimmer:
„Seh’ dich nicht um!
Nicht rechts, nicht links;
Geradezu, so hast du Ruh’!“
Das Mädchen zitterte und bebte vor Angst und Bangigkeit wie ein Espenlaub, doch blieb sie standhaft, sah sich nicht um, nicht rechts, nichts links. Als sich aber das zwölfte Zimmer öffnete, strahlte beiden ein glänzender Lichtschimmer entgegen, es erschallte drinnen eine liebliche Musik und es jauchzte überall wie Freudengeschrei, wie Jubel. Ehe sich die Braut nur ein wenig besinnen konnte, noch zitternd vom Schauen des Entsetzlichen und nun wieder dieser überraschenden Lieblichkeit — tat es einen furchtbaren Donnerschlag, also daß sie dachte, es breche Erde und Himmel zusammen. Aber bald ward es wieder ruhig. Der Wald, die Höhle, die Gifttiere, der Bär — waren verschwunden; ein prächtiges Schloß, mit goldgeschmückten Zimmern und schön gekleideter Dienerschaft stand dafür da, und der Bär war ein schöner junger Mann geworden, war der Fürst des herrlichen Schlosses, der nun sein liebes Bräutchen an das Herz drückte und ihr tausendmal dankte, daß sie ihn und seine Diener, das Getier, so liebreich aus seiner Verzauberung erlöset.
Die nun so hohe, reiche Fürstin trug aber noch immer ihren schönen Nußzweig am Busen, der die Eigenschaft hatte, nie zu verwelken, und trug ihn jetzt nur noch um so lieber, da er der Schlüssel ihres holden Glückes geworden. Bald wurden ihre Eltern und ihre Geschwister von diesem freundlichen Geschick benachrichtigt und wurden für immer, zu einem herrlichen Wohlleben, von dem Bärenfürsten auf das Schloß genommen.
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Moral of the Story
True virtue and courage can break enchantments and lead to unexpected happiness.
Characters
The Youngest Daughter ★ protagonist
Slender and graceful, with a delicate build. Her movements are gentle and hesitant, especially when faced with fear, but she possesses an inner strength that allows her to remain steadfast.
Attire: Initially, simple but well-made dresses of linen or wool, in muted colors, befitting a merchant's daughter. Upon becoming a princess, she would wear elegant gowns of silk or velvet, perhaps in shades of green or gold to subtly reference her iconic nut branch. She always keeps the green nut branch close to her.
Wants: To fulfill her father's promise and protect him, and later, to survive and understand her strange predicament with the bear.
Flaw: Her initial fear and vulnerability when confronted with the terrifying bear and the enchanted castle's dangers.
Transforms from a beloved, somewhat sheltered daughter into a courageous princess who breaks a powerful enchantment through her steadfastness and kindness.
Loving, courageous, obedient, compassionate, steadfast.
The Merchant ◆ supporting
A man of sturdy build, accustomed to travel and business. He carries himself with the air of a successful, if somewhat anxious, businessman.
Attire: Practical but well-made traveling clothes: a dark wool coat, sturdy breeches, leather boots, and a wide-brimmed hat. Later, at home, he would wear more formal, but still functional, merchant attire.
Wants: To fulfill his daughters' wishes, conduct his business successfully, and protect his family.
Flaw: His fear for his own life leads him to make a rash promise, and his initial attempt to deceive the bear shows a lack of moral courage.
Experiences profound regret and fear after making a terrible promise, but ultimately finds joy and prosperity through his youngest daughter's actions.
Loving, responsible, anxious, somewhat naive (in his promise to the bear), regretful.
The Bear / The Prince ○ antagonist | supporting
As a bear: A large, wild, shaggy bear with formidable claws and a terrifying roar. As a prince: A handsome young man, likely tall and strong, with a noble bearing, reflecting his princely status.
Attire: As a bear: Only his shaggy fur. As a prince: Splendid, gold-adorned princely attire, perhaps a rich velvet doublet and breeches, with fine silk and embroidery, befitting a German prince of a grand castle.
Wants: To break the enchantment placed upon him and his servants, which requires a human bride to show unwavering obedience and kindness.
Flaw: The enchantment itself, which forces him into a terrifying form and requires a specific, difficult condition to be met.
Transforms from a terrifying beast into a handsome prince, freed from his enchantment by the Youngest Daughter's courage and obedience.
Fierce, demanding, cunning (in setting the condition), observant, ultimately kind, grateful, and loving.
The Shepherd's Daughter ○ minor
Described as 'very ugly' ('sehr häßlich'). She might have coarse features, a stocky build, and unkempt hair, contrasting sharply with the merchant's daughters.
Attire: Initially, simple, rough peasant clothing of coarse wool or linen. When dressed up by the merchant's family, she would wear ill-fitting, borrowed finery, perhaps a brightly colored but cheap dress, which would only highlight her natural appearance.
Wants: To avoid being eaten by the bear.
Flaw: Her fear and inability to follow instructions, which prevents her from satisfying the bear.
Briefly appears as a sacrificial lamb, fails to appease the bear, and escapes, disappearing from the narrative.
Fearful, uncooperative, perhaps resentful of her situation.
Locations
Dark Forest Edge
A dense, dark forest with thick undergrowth and bushes, where the path leads through. The canopy is thick, creating a dim light.
Mood: Initially foreboding and desperate, then suddenly joyful and relieved.
The merchant finds the nut branch, but is confronted by the bear, making a fateful promise.
Merchant's Home
A comfortable, prosperous merchant's house, likely a half-timbered Fachwerk house with a welcoming entrance, where the family gathers.
Mood: Initially joyous and celebratory, quickly turning to shock, sorrow, and then deceptive relief.
The merchant returns home, realizing his youngest daughter is the promised 'first thing'. Later, the bear arrives to claim his bride.
Bear's Cave Labyrinth
A dark, foreboding cave entrance in a very dark forest, leading into a series of twelve increasingly terrifying, dimly lit chambers filled with venomous creatures, culminating in a final chamber of light and music.
Mood: Terrifying, suspenseful, and claustrophobic, transforming into magical and joyous.
The youngest daughter is brought to the bear's dwelling and must navigate the terrifying chambers without looking back, breaking the enchantment.
Enchanted Castle
A magnificent, opulent castle with gold-adorned rooms and beautifully dressed servants, appearing instantly after the bear's enchantment is broken.
Mood: Magical, joyful, and luxurious.
The bear's true form as a prince is revealed, and the cave transforms into his splendid castle, where the couple lives happily ever after.
Story DNA
Moral
True virtue and courage can break enchantments and lead to unexpected happiness.
Plot Summary
A merchant promises his youngest daughter a green nut branch, but when he finds one, a bear demands the first thing he meets at home in return. This turns out to be his beloved youngest daughter. After an unsuccessful attempt to trick the bear with a shepherdess, the daughter bravely goes with him. She endures a terrifying journey and follows the bear's strange instructions to scratch his ears and walk through twelve monster-filled rooms without looking around. Her courage breaks the enchantment, transforming the bear into a handsome prince, and they marry, living happily ever after with her family.
Themes
Emotional Arc
fear to joy
Writing Style
Narrative Elements
Cultural Context
Ludwig Bechstein was a contemporary of the Brothers Grimm, collecting and adapting German folk tales, often with a focus on moral lessons and romantic elements.
Plot Beats (15)
- A merchant asks his three daughters for gift requests before a journey; the youngest asks for a green nut branch.
- The merchant finds gifts for his older daughters but struggles to find a nut branch.
- He finally finds a beautiful nut branch with golden nuts in a dark forest, but a fierce bear appears, threatening to eat him.
- The bear demands the first thing the merchant meets at home in exchange for his life.
- The merchant agrees, assuming it will be his dog, but his youngest daughter is the first to greet him.
- The family is distressed, but the youngest daughter bravely accepts her fate.
- When the bear comes to collect, the family tries to trick him by sending a homely shepherdess in the daughter's place.
- The bear realizes the deception when the shepherdess fails to scratch him correctly and she flees.
- The bear returns, demanding the true bride; the youngest daughter bids a tearful farewell and departs with the bear.
- On the journey, the daughter scratches the bear's ears gently, pleasing him and gaining some trust.
- They arrive at a dark cave, the bear's home, and he instructs her to walk through twelve rooms of venomous creatures without looking around.
- The daughter, trembling with fear, obeys the bear's command in each room, steadfastly looking straight ahead.
- Upon entering the twelfth room, a thunderclap sounds, the cave and creatures disappear, and the bear transforms into a handsome prince in a splendid castle.
- The prince reveals he was enchanted and thanks her for breaking the spell; they marry.
- The princess keeps her magical nut branch, and her family is invited to live in luxury at the castle.