DER KAMELREITER UND DIE SCHLANGE
by Friedrich Giese · from Türkische Märchen
Adapted Version
A kind man rode his camel. Desert was hot. He saw a big fire. A Bad Snake was in the fire. The snake cried for help. It could not get out.
The Kind Man knew the snake was bad. But he felt pity. He wanted to help. He took his long stick. He put his sack on the stick. He pulled the snake out.
The Kind Man told the snake. "You are safe now. I helped you. Be good. Do not hurt anyone. Say thank you."
The Bad Snake did not say thank you. It looked at the man. It said, "I will bite you! You helped me. But I am bad. I want to hurt you now."
The Kind Man was sad. "Why? I saved you!" he said. The Bad Snake said, "No. Let us ask others. They will agree with me."
They saw an Old Buffalo. The snake asked, 'What is good?' The Old Buffalo said, 'I worked hard. I gave milk. Then I got old. My owner sent me away.'
The Bad Snake smiled. "See? I told you!" it said. The Kind Man said, "No. We need another friend. Let us ask again."
They saw a Big Tree. The snake asked, 'What is good?' The Big Tree said, 'I give cool shade. People rest here. But they want to cut me down.'
The Bad Snake laughed. "Two friends agree! Now I bite you!" Man said, "No. One more friend. Please, one more."
A Clever Fox came by. It heard their talk. The Kind Man told the story. The fox said, "No, that is not true! You are a big snake. You cannot fit in that small sack."
The Bad Snake was angry. "I can fit!" it said. The Kind Man opened the sack. The snake crawled inside. It wanted to show the fox.
The Clever Fox spoke softly. "Close the sack," it said. "Make sure it cannot hurt anyone. Be safe."
The Kind Man quickly closed the sack. He tied it very tight. The Bad Snake was inside. It could not get out. It could not be bad anymore. The Kind Man was safe.
The Kind Man was safe. He learned a big lesson that day. He knew to be careful. Some bad things stay bad. Even if you help. A clever friend can help you stay safe.
Original Story
54. DER KAMELREITER UND DIE SCHLANGE
Ein Kamelreiter war auf seiner Reise an einen Ort gekommen, wo eine Karawane gerastet und ein Feuer angezündet hatte. Nach ihrer Abreise hatte der Wind das Feuer angefacht und die Funken hatten alles Gestrüpp und Reisig in der Wüste in Brand gesetzt. Mitten darin lag eine große Schlange. Die Flammen hatten sie ganz eingeschlossen, daß sie nirgends hinaus konnte. Wohin sie auch schaute, nirgends sah sie einen Weg der Rettung und beinahe wäre sie von dem Feuer wie ein Fisch in der Pfanne gebraten. Als sie den Reiter sah, bat und flehte sie ihn an, sie zu befreien.
Der Reiter war ein barmherziger Mann. Als er den Hilferuf der Schlange hörte und ihre Not sah, sagte er zu sich: „Die Schlange ist zwar ein giftiges Tier und ein böser Feind, aber da sie jetzt in Not ist, wäre es doch wohl angebracht, Mitleid mit ihr zu haben. Das Beste ist es, daß ich sie jetzt aus diesem Strudel ziehe und den Samen eines guten Werkes, der in dieser Welt Glück und in der zukünftigen Segen als Früchte tragen wird, pflanze.“ Er nahm also den Ledersack, den er bei sich trug, band ihn an die Spitze seiner Lanze und hielt ihn der Schlange hin. Die Schlange legte sich hinein und der Reiter, im Glauben, ein gutes Werk zu tun, zog sie aus dem Feuer heraus. Nachdem er sie aus dem Sack hatte herauskriechen lassen, richtete er einige ermahnende Worte an sie und sagte: „Du weißt, aus einer wie großen Gefahr du befreit bist. So ist es nötig, daß du aus Dankbarkeit über diese Gnade dich jetzt in einen Winkel zurückziehst und hinfort kein Unrecht mehr tust, denn wer den Geschöpfen Gottes Übles zufügt, ist in dieser Welt übelberüchtigt und in der anderen unglücklich und hat keinen Anspruch auf die Barmherzigkeit Gottes und auf die Liebe der Menschen.“
Die Schlange antwortete: „Reiter, laß solche Worte. Ich will nicht von hier gehen, ehe ich dicht nicht gebissen habe.“ Der Reiter erwiderte: „Was ist das für eine unpassende Rede! Ich habe es nicht an Liebe und Erbarmen fehlen lassen und dich nicht im Feuer verbrennen lassen. Wenn ich nicht gewesen wäre, hätte der Strudel des Todes dein Leben vernichtet und die Feuerflamme dich verbrannt.“ Die Schlange sagte: „Ja, du hast es nicht an Menschlichkeit fehlen lassen, aber sie war nicht angebracht und deine Güte hat einen Unwürdigen getroffen. Du weißt, daß ich eine Quelle des Giftes und des Schadens bin. Alle Tiere und besonders die Menschen fürchten sich vor meinem Gift. Wenn du also einen so großen Schädling nicht im Feuer hast umkommen lassen, so kannst du von ihm als Belohnung jedenfalls nichts anderes als Unheil und Böses erwarten, denn den Schlechten Gutes tun ist ebensoviel wie den Guten Schlechtes tun. Vielleicht ist das erstere sogar noch schlimmer. Mich zu töten, wäre für dich eine religiöse Pflicht gewesen. Da du dem göttlichen Gesetz und den Erfordernissen des Verstandes zuwider gehandelt hast, so halte ich es für richtig, dich meinen Stachel kosten zu lassen, damit diejenigen, die es hören, sich abhalten lassen, dir zu folgen und sich dein Beispiel als Lehre nehmen.“ Der Reiter sagte: „Du böser Unhold, was für gottlose Reden führst du? Denke billig, in welcher Religion hat man wohl Böses als Vergeltung für eine Wohltat als passend angesehen? Kein Verständiger hält es für richtig, Gutes mit Bösem zu vergelten und selbst ein ungläubiger Richter glaubt nicht, daß man Nutzen durch Schaden vergelten darf.“ Die Schlange sagte: „Wie kannst du leugnen, daß bei den Menschen und in eurer Religion Gutes und Schlechtes, Wohltat und Böses als gleichwertig gelten. Darum will ich auch, wie ich es von euch gelernt habe, verfahren.“
Wie sehr sich auch der Reiter bemühte, sie zu überzeugen, es glückte ihm nicht. Die Schlange rief: „Wähle, ob ich zuerst dich stechen soll oder ob ich mit deinem Kamel anfangen soll.“ Schließlich kamen sie überein, daß die Schlange ihre Behauptung mit vertrauenswürdigen Zeugen beweisen und den Reiter zum Verstummen bringen solle, dann wolle er bereitwillig den Tod annehmen. Dann schaute sich die Schlange um und sah gerade einen Büffel in der Wüste weiden. Sie sagte: „Komm, Reiter, wollen die Schwierigkeit von diesem Braven lösen lassen.“ Der Kamelreiter und die Schlange gingen zu dem Büffel und die Schlange öffnete ihr giftspeiendes Maul und sagte: „Büffel, du wanderst nun so viele Jahre in der Welt herum. Was ist die Vergeltung für Wohltaten?“ Der Büffel antwortete: „Bei den Menschen ist die Belohnung für gute Taten Undank. Um das zu beweisen, genügt folgendes: Ich bin bei einem Menschen schon so lange im Dienst, habe ihm jedes Jahr ein kräftiges Kalb geboren, habe ihm Milch und Butter geliefert, habe für seinen Unterhalt und sein behagliches Leben gesorgt, indem ich auf seinen Dank hoffte. Als ich alt wurde und ihm keine Kälber mehr schenken konnte, sorgte er nicht mehr für mich, vergaß das, was ich ihm vorher getan, und ließ mich einsam und allein in dieser Wüste. Als ich auf dieser Weide graste und wieder fett wurde, ging eines Tages mein Herr hier vorbei, schaute mich prüfend an und stellte meinen guten Zustand fest. Als er sah, daß ich kräftig und fleischig war, kehrte er mit großer Freude nach Hause zurück, und am nächsten Tage kam er mit einem Fleischer zurück und verkaufte mich an ihn. Heute wird man mich ins Schlachthaus führen und mich schlachten. Das ist der Dank der Menschen für Wohltaten.“
Die Schlange sagte: „Da hast du gehört, wie die Menschen Wohltaten vergelten. Bereite dich nun zum Tode und erfülle dein Versprechen.“ Der Reiter erwiderte: „Nach unserem Gesetz genügt ein Zeuge nicht. Bevor nicht alle Erfordernisse erfüllt sind, hat der Urteilsspruch keine Gültigkeit.“ Die Schlange sah sich um, erblickte einen Baum und sagte: „Komm, wollen diesen Baum fragen. Wollen sehen, was er dazu sagt.“ Sie gingen zusammen zu diesem Baum und die Schlange fragte ihn: „Was ist die Belohnung für Wohltaten?“ Der Baum antwortete: „In der Religion der Menschen ist Übeltat die Vergeltung für Wohltun, und ihrer Charakteranlage nach verfahren sie auch so. Als Beweis dafür diene folgendes: „Ich gebe hier in der Wüste allein Schatten und auf einem Fuße stehend diene ich allen Kommenden und Gehenden. Jeder von den Menschen, der in der Wüste von der Glut der Sonne gequält wird, findet unter meinem mächtigen Schatten Ruhe und Erquickung, so daß er sich von den Strapazen des Weges und den Unbilden der Witterung erholen kann. Wenn er mich aber ansieht, sagt er: ‚Aus jedem Zweige ließen sich soundsoviele Bündel Reisig und soviel Axtgriffe und aus seinem Stamm soviel Bretter und daraus soviel Türen herstellen.‘ Wenn sie Äxte hätten, würden sie sofort einige von meinen Zweigen abschlagen. Während sie nur Gutes von mir haben, wollen sie mir Übles antun.“
Die Schlange sagte: „Die Zeugenangelegenheit ist erledigt. Nun ist weiter kein Vorwand und du mußt die übernommene Bedingung erfüllen und dich meinem Stachel darbieten.“ Der Reiter machte Einwendungen und sagte: „Es war nötig festzustellen, daß die Zeugen glaubwürdig sind. Das ist nicht geschehen. Auf unrechtliche Art Blut zu vergießen, würde sich für dich nicht geziemen. Außerdem ist einem das Leben lieb und die Frucht des Lebens süß, und das Herz von den Dingen dieses Lebens zu reißen ist schwer. Ich habe nun noch eine Bedingung. Wenn du noch einen Zeugen in dieser Angelegenheit findest, will ich mich dem Geschick unterwerfen und mich dem Untergang preisgeben.“
Währenddessen kam ein Fuchs in diese Gegend, fand sie in diesem Streit und fragte sie, worum es sich handle. Als die Schlange ihn sah, sagte sie zu dem Reiter: „Komm, jetzt wollen wir den Fuchs fragen. Wollen sehen, was er sagt.“ Der Reiter hatte ihm kaum die Sache genau auseinandergesetzt, als der schlaue Fuchs ausrief: „Mensch, weißt du nicht, daß die Belohnung für eine Wohltat Böses ist? Aber hast du der Schlange denn etwas Gutes getan, daß du als Vergeltung Böses verdienst?“ Als der Reiter ihm den Vorgang erzählte, sagte der Fuchs: „Du gleichst doch sonst einem verständigen Mann, wie kannst du denn solchen Unsinn erzählen und Lügen auftischen?“ Die Schlange fiel ein: „Doch, er hat die Wahrheit gesagt. Da ist der Sack, in dem er mich aus dem Feuer gezogen hat.“ Der Fuchs fuhr fort: „Wie sollte man das glauben, daß ein so großes Tier in einen Sack ginge, der im Vergleich zu dir noch kleiner als ein Ochsenauge ist?“ Die Schlange sagte: „Das läßt sich leicht beweisen. Wenn du es nicht glaubst, kann ich in den Sack hineingehen.“ Der Fuchs erwiderte: „Wenn ich das mit eigenen Augen sehe, will ich die Angelegenheit entscheiden.“ Um die Behauptung zu beweisen, öffnete der Reiter die Öffnung des Sackes und die Schlange kroch im Vertrauen auf die Worte des Fuchses hinein. Als der Fuchs das sah, sagte er leise zum Reiter: „Junger Mann, jetzt hast du deinen Feind im Gefängnis, benutze die Gelegenheit und lasse ihn nicht wieder frei.“
Der Reiter hielt die Öffnung des Sackes fest zu und schlug ihn so stark auf den steinigen Boden, daß die Schlange starb, und die Menschheit von ihrem Gifte, und die Welt von ihrer Bosheit befreit wurde.
Story DNA
Moral
Do not expect good from those inherently evil, and sometimes, wisdom is required to overcome malice.
Plot Summary
A compassionate camel rider saves a venomous snake from a desert fire. Instead of gratitude, the snake demands to bite him, claiming that evil is the rightful reward for good deeds. The snake calls upon a buffalo and a tree as witnesses, both of whom recount tales of human ingratitude. Just as the rider is about to succumb, a clever fox intervenes. The fox, feigning disbelief that the large snake could fit into the small sack it was rescued in, tricks the snake into re-entering the sack. Once the snake is trapped, the fox advises the rider to kill it, thus ending the threat and teaching the rider a valuable lesson about the nature of evil.
Themes
Emotional Arc
hope to despair to triumph
Writing Style
Narrative Elements
Cultural Context
Friedrich Giese was a German orientalist, and his collection 'Türkische Märchen' (Turkish Fairy Tales) often included adaptations of fables from the Middle East, particularly those with didactic elements.
Plot Beats (13)
- A camel rider finds a large snake trapped in a desert fire, pleading for help.
- Despite knowing the snake's venomous nature, the rider, out of compassion, uses his leather sack on a lance to pull the snake from the flames.
- The rider admonishes the snake to be grateful and do no more harm.
- The snake immediately declares its intention to bite the rider, stating that evil is the proper reward for good deeds.
- The rider argues against this, but the snake insists on proving its point with witnesses.
- They approach a buffalo, who testifies that humans repay years of service and sustenance with abandonment and slaughter when the animal is old.
- The snake declares the rider's fate sealed, but the rider demands a second witness.
- They approach a tree, who testifies that humans repay its shade and shelter by planning to chop it down for wood.
- The snake again declares victory, but the rider demands a third, more credible witness.
- A fox arrives and, hearing the story, pretends to disbelieve that such a large snake could fit into the small sack.
- To prove its claim, the snake confidently crawls back into the sack.
- The fox secretly advises the rider to seize the opportunity and kill the trapped snake.
- The rider seals the sack and repeatedly strikes it against the ground, killing the snake and saving himself.
Characters
The Camel Rider
A man of average height and sturdy build, accustomed to the rigors of desert travel. His skin is likely tanned and weathered from sun exposure, with a lean, resilient physique.
Attire: Wears practical, durable desert attire suitable for a traveler in an Arabian or North African setting. This would include a flowing, light-colored thobe or dishdasha made of linen or cotton to protect from the sun, possibly a vest over it. A keffiyeh or turban wrapped around his head and face for sun and sand protection. Sturdy leather sandals or boots. A wide leather belt. The overall impression is one of a pragmatic, humble traveler.
Wants: To perform good deeds, to uphold justice and morality, to survive.
Flaw: Naivety and excessive mercy, leading him to trust those who are inherently malicious.
Starts as a purely merciful and somewhat naive individual, learns the harsh lesson that not all beings are deserving of mercy, and ultimately becomes more pragmatic and decisive in dealing with evil.
Merciful, compassionate, naive, righteous, persistent, trusting (initially), resourceful (eventually).
The Snake
A large, imposing snake, described as 'große Schlange'. Its scales are likely a desert-appropriate color, perhaps sandy brown, ochre, or mottled green, giving it a camouflaged appearance. Its size is significant enough to be a formidable threat, capable of fitting into a large leather sack but still appearing formidable.
Attire: N/A (as a snake)
Wants: To inflict harm, to justify its inherent evil, to survive (initially), and then to prove its cynical worldview.
Flaw: Its overconfidence and desire to prove its point, which leads it to enter the sack again.
Remains consistently evil and ungrateful throughout the story, ultimately leading to its demise due to its own hubris.
Malicious, ungrateful, cunning, deceitful, cynical, remorseless, self-serving.
The Buffalo
A large, robust water buffalo, showing signs of age and past labor. Its hide is dark, possibly scarred or worn in places, and its muscles are still powerful despite its age. Its horns are thick and curved.
Attire: N/A (as an animal)
Wants: To graze and survive, to share its bitter experience of human ingratitude.
Flaw: Its inability to escape its fate, its deep-seated bitterness.
Does not change, serves as a static witness to human ingratitude.
Cynical, resigned, world-weary, bitter, truthful (from its perspective).
The Tree
A large, solitary desert tree, described as 'mächtigen Schatten' (mighty shade). Its trunk is thick and gnarled, its branches spreading wide to provide ample shade. Its bark is rough and weathered, and its leaves are green, providing a stark contrast to the desert.
Attire: N/A (as a tree)
Wants: To provide shade and sustenance, to bear witness to human ingratitude.
Flaw: Its inability to defend itself from human exploitation.
Does not change, serves as a static witness to human ingratitude.
Resigned, philosophical, generous (in its nature), observant of human flaws.
The Fox
A sleek, agile desert fox. Its fur is a sandy or reddish-brown, blending with the desert environment. It has a bushy tail and keen, intelligent eyes. Its build is lean and quick.
Attire: N/A (as an animal)
Wants: To understand the situation, to apply its wit, and ultimately to ensure justice (or at least, the defeat of evil).
Flaw: N/A (no significant weakness shown, as it is the problem-solver).
Does not change, serves as the deus ex machina, embodying cleverness and practical justice.
Cunning, intelligent, skeptical, manipulative, decisive, pragmatic.
Locations
Desert Wildfire
A desolate desert landscape engulfed in a raging fire, with sparks igniting all the scrub and brush. Flames completely encircle a large snake, leaving no escape route.
Mood: Dangerous, desperate, fiery, chaotic.
The camel rider encounters the snake trapped in the wildfire and is implored for help.
Desert Pasture with a Buffalo
A sparse desert pasture where a buffalo grazes, likely with some hardy, dry vegetation. The ground is probably sandy or rocky.
Mood: Desolate, melancholic, reflective.
The snake and the camel rider consult the buffalo as the first witness to the nature of gratitude.
Solitary Desert Tree
A lone, large tree standing in the middle of the desert, providing significant shade. Its branches are sturdy, and its trunk is substantial, suggesting it has endured for a long time.
Mood: Resilient, weary, exposed.
The snake and the camel rider consult the tree as the second witness.