DER REIHER UND DER KREBS
by Friedrich Giese · from Türkische Märchen
Adapted Version
A stream had happy fish. A clever heron lived there.
The Heron was old. He could not catch fish well. He felt very hungry. He made a clever plan. He wanted to trick others. The Heron sat by the stream. He looked very sad. He made sad sounds. He wanted someone to ask.
The Crab saw the sad Heron. The Crab came to him. "Friend," he asked. "Why are you sad?" The Heron looked. The Heron spoke sadly. "Bad news is coming," he said. "Two men will come here. They will catch all The Fish. All The Fish will be gone."
The Crab heard this news. He felt very scared. He swam to The Fish. He told them the bad news. The Fish felt much fear. They swam fast and shook. Fish and Crab went to Heron. They needed help. "Please help us," The Fish said. "What can we do?"
The Heron had an idea. "There is a safe pond," he said. "It is far from here. I can take you there. I will carry you." The Fish were scared. They wanted to be safe. "Yes, please help us!" they cried. They trusted The Heron.
The Heron carried The Fish. He did not go to the pond. He flew to a dry, muddy spot. He left The Fish there. They got stuck in the mud. They could not swim away. Other Fish waited by the stream. They felt happy to go. They did not know the truth. They waited for their turn.
Many days passed. The Crab felt curious. He asked The Heron, "Please take me now. I want to see the pond." Heron agreed. He held The Crab. He flew towards the dry spot. He wanted to trick The Crab.
The Crab looked down. He saw the muddy spot. He saw The Fish stuck there. They were sad and helpless. The Crab knew the trick. The Crab acted very fast. He used his strong claws. He grabbed The Heron's leg. The Heron could not fly. The Crab shouted the truth. "He tricks us all!" he cried. The Heron felt much shame. He flew away fast. He never came back.
The Crab went back to the stream. He told The Fish the truth. The Heron was a bad trickster. The Fish were now safe. They thanked The Crab.
The fish were safe and happy again. And the tricky heron never came back. Story teaches: Be smart and careful! Do not trust strangers who promise too much.
Original Story
44. DER REIHER UND DER KREBS
Ein Reiher hatte sich am Rande eines Baches niedergelassen und hatte all sein Bemühen auf den Fang von Fischen gerichtet. Jeden Tag fing er, soviel er brauchte, und brachte so sein Leben in Behaglichkeit zu. Als die Zeit des Alters kam, ließ seine Kraft nach. Infolgedessen wurde er schwach, und seine Körperkräfte wurden von Tag zu Tag geringer. Die Jagd auf Fische unterblieb und, gefangen von Kummer und Gram, tadelte er sich und sagte: „Wehe, daß des Lebens Jahre wie eine Karawane entschwinden, von der man nicht einmal den Staub mehr sieht! Weh, daß ich mein Leben wie ein Spielzeug betrachtet und seinen Wert nicht erkannt habe. Ich habe mir für das Alter keine dauernden Vorräte gesammelt. Jetzt ist meine Kraft gebrochen und mir die Erwerbung von Unterhalt nicht mehr möglich. So ist es das Beste, daß ich das Gebäude meines Tuns auf List und Trug gründe, das Netz des Betrugs und der Heuchelei auswerfe und im Hause der Schlauheit und Täuschung wohne. Vielleicht kann ich auf diese Art meinen Lebensunterhalt haben.“
Er ließ sich also mit traurigem Jammern und heftigem Weinen, wie die Bekümmerten und Sorgenvollen tun, am Rande des Baches nieder. Da sah ihn gerade ein Krebs von weitem, kam zu ihm, redete ihn freundlich an und sagte: „Freund, ich sehe dich sehr bekümmert. Was ist die Veranlassung? Ich sehe dein Gesicht mit dem Staube der Traurigkeit und des Ärgers bedeckt, was ist der Grund?“ Der alte Reiher antwortete: „Wie sollte ich nicht traurig sein? Warum sollte ich nicht mit der Hand der Sorge meinen Kragen zerreißen? Du weißt ja, daß mein ganzer Lebensunterhalt auf diesen Bach beschränkt war. Jeden Tag fing ich mir einige Fische, die mir als Nahrung genügten. Die Fische hatten auch nicht übermäßig Schaden davon, und ich konnte ruhig und zufrieden leben. Heute gingen zwei Fischer am Ufer dieses Baches und erzählten sich, daß in diesem Wasser unendlich viel Fische seien, die sie fangen wollten. Der andere sagte: ‚In dem und dem Teiche sind noch viel mehr, wollen erst die erledigen und uns dann zu diesem wenden.‘ Bei diesen Verhältnissen muß ich auf die Süßigkeit des Lebens verzichten und mich mit dem Gifte des Todes begnügen.“
Als der Krebs dies hörte, ging er schleunigst zu den Fischen und erzählte es ihnen. Die Fische wurden von dieser schrecklichen Nachricht ganz aufgeregt und zitterten wie ein Weidenblatt. Schließlich einigten sie sich, gingen mit dem Krebs zum Reiher und sagten: „Dieser unser Freund hat uns von dir eine traurige Nachricht gebracht, durch die unser Verstand aus Rand und Band gekommen ist. Je mehr wir die Sache betrachten, um so mehr schwanken wir hin und her wie die Kompaßnadel. Wir sind nun zu dir gekommen, um uns mit dir zu beraten, denn es heißt ja: ‚Derjenige, der um Rat gefragt wird, ist zuverlässig.‘ Der Verständige darf, selbst wenn er ein Feind ist, wenn man sich an seinen Rat und gesundes Urteil wendet, nicht mit seinem Rate zurückhalten, besonders in dieser Sache, mit der auch sein eigener Nutzen verbunden ist. Denn du selbst hast ja zugegeben, daß der Bestand deines Lebens an die Dauer unseres Daseins gebunden ist. Was hältst du also für richtig in dieser unserer Angelegenheit, und was kannst du uns für unsere Rettung raten?“ Der Reiher erwiderte: „Ja, ich habe diese Nachricht aus dem Munde der Fischer selbst gehört. Dagegen nützt nun kein Widerstand. Ich habe viel über die Lösung des Knotens nachgedacht. Das Beste, was mir eingefallen ist, ist folgendes: In dieser Gegend ist ein großer Teich, blank wie ein Spiegel, und an Reinheit wetteifert er mit dem Sonnenlicht. Infolge seiner Klarheit kann jedes Sandkorn auf seinem Grunde gezählt werden und jedes in ihm gesehen werden. Trotzdem hat die Einbildungskraft noch nicht bis zu seinem Grunde tauchen und der Verstand noch nicht von einem Ufer zum andern schwimmen können; noch ist die Angelrute eines Fischers je zu jenem Teiche gekommen. Die Fische dort kennen keine andere Fessel als die Kette des Wassers. Wenn ihr dorthin umziehen könntet, würdet ihr den Rest des Lebens in Ruhe, Sicherheit und Freude verleben.“ Sie antworteten: „Dieser Plan ist wohl das Beste, aber ohne deine Hilfe ist der Umzug nicht auszuführen.“ Der Reiher entgegnete: „Soweit ich vermag, soll es euch daran nicht fehlen. Aber die Zeit drängt. Ich fürchte, daß die Fischer unvermutet kommen, und daß dann die Gelegenheit versperrt ist und mein Plan nicht mehr nutzt.“ Die Fische baten ihn demütig unter vielen Tränen. Schließlich, nach vielem Bitten kam es zu einem Vertrage, daß der Reiher jeden Tag kommen sollte und von den Fischen, soviel er tragen könne, in jenen Teich hinüberbringe.
Der Reiher kam also jeden Tag und nahm von den Fischen, soviel er wollte. In dieser Gegend war ein Wald, dorthin trug er sie und bewahrte sie sich als Vorrat auf. Wenn er dann zurückkehrte, sah er, daß die andern am Rande des Teiches standen, in Aufregung warteten und jeder sich beeilte, vor dem andern hinübergetragen zu werden. Die Weisheit betrachtete ihre Dummheit und ihren Leichtsinn und nahm sich ein Beispiel daran, und die Zeit weinte aus hundert Augen über ihr Unglück. Jeder, der dem Feinde glaubt und den Listen und Betrügereien eines gemeinen und schlechten Menschen vertraut, wird so bestraft.
Als so einige Tage vergangen waren, befiel auch den Krebs die Sehnsucht und das Verlangen, den Teich kennen zu lernen, und er wollte möglichst schnell übersiedeln. Er bat also den Reiher darum. Dieser überlegte, daß dies sein schlimmster Feind sei, und daß es das Beste sei, ihn zu seinen Freunden zu bringen. Er ging also an den Rand des Wassers, nahm den Krebs an seinem Hals und brach mit ihm nach dem Ruheplatze der Fische auf. Als der Krebs aus der Ferne die Gräten der Fische sah, ahnte er, wie die Sache stehe und sagte überlegend zu sich: „Der Verständige, der, wenn ein Feind ihn töten will, ihm nicht Widerstand leistet zu der Zeit, da er in der Lage dazu ist, beschleunigt seinen Tod und begeht Selbstmord und, wenn er sein Geschick erfüllt, hat er zwei Möglichkeiten, entweder hat er Erfolg, dann gräbt er seinen Namen in Marmor, und sein Mut steht in den Blättern der Geschichte, oder er unterliegt, dann ist er entschuldigt, und Mangel an Mut und Tapferkeit kann ihm nicht vorgeworfen werden.“ Der Krebs legte sich also wie ein Ring um den Hals des Reihers und drückte ihm fest die Kehle zu. Da der Reiher alt und schwach war, so verlor er schon bei dem geringen Drucke die Kräfte, und das Leben entwich aus seinem Körper. Der Krebs verließ den Hals des Reihers, kehrte um und erzählte den Fischen die ganze Geschichte, indem er das Beileid für die toten Freunde mit dem Glückwunsch für die lebenden vereinte. Als die Fische die Kunde vernahmen, wurden sie erfreut und glücklich und sahen den Tod des Reihers für sich als ein neues endloses Leben an.
Story DNA
Moral
Do not trust your enemies, and always be wary of those who offer help that seems too good to be true, especially when their motives are unclear.
Plot Summary
An aging heron, too weak to hunt, devises a cruel trick: he pretends to be sad about fishermen coming to catch all the fish. He then offers to transport the panicked fish to a safer pond, but instead carries them to a forest to eat them. A wise crab, suspicious, asks to be transported and discovers the heron's treachery. The crab then strangles the heron, returns to the stream, and saves the remaining fish by revealing the truth.
Themes
Emotional Arc
false hope to despair to unexpected triumph
Writing Style
Narrative Elements
Cultural Context
Friedrich Giese was a German orientalist, and his collection 'Märchen und Fabeln aus dem Orient' (Fairy Tales and Fables from the Orient) suggests this fable has roots in Eastern storytelling traditions, where animal fables are common vehicles for moral instruction.
Plot Beats (15)
- An old heron, too weak to hunt, decides to use cunning to get food.
- He sits by the stream, feigning sadness and distress.
- A crab approaches, asking the heron why he is so upset.
- The heron fabricates a story about two fishermen planning to catch all the fish in the stream.
- The crab, alarmed, relays this news to the fish, who become terrified.
- The fish and the crab approach the heron for advice on how to escape the impending danger.
- The heron suggests a beautiful, untouched pond far away and offers to transport them there, one by one, due to his old age.
- The fish, desperate, agree to the plan and beg the heron for help.
- The heron begins carrying fish, not to the new pond, but to a nearby forest where he eats them.
- The remaining fish eagerly await their turn, unaware of their friends' fate.
- After several days, the crab becomes curious and asks the heron to transport him.
- The heron agrees, planning to kill the crab as well, and carries him towards the forest.
- The crab sees the pile of fish bones in the forest and realizes the heron's deception.
- The crab, acting quickly, wraps himself around the heron's neck and strangles him to death.
- The crab returns to the stream and tells the remaining fish about the heron's treachery and his demise, saving them.
Characters
Der Reiher
A tall, slender heron with long, spindly legs and a long, sharp beak. His feathers are likely a muted grey or white, showing signs of age and wear. His build is noticeably weaker than in his youth, reflecting his declining strength.
Attire: Natural plumage, likely greyish-white or pale blue-grey, perhaps slightly dull or ruffled from age. No artificial clothing.
Wants: To survive and maintain his comfortable lifestyle in old age without expending much effort, by preying on the trust of others.
Flaw: His advanced age and physical weakness, which ultimately makes him vulnerable to the Crab's attack. His overconfidence in his own cunning.
Starts as a comfortable, then despairing, old bird. He transforms into a manipulative predator, using his wits to survive. His arc ends in his demise due to his own deceit and underestimation of his final victim.
Cunning, deceitful, manipulative, self-pitying (initially), greedy.
Der Krebs
A robust freshwater crab, likely with a hard, reddish-brown or greenish-brown carapace. He has strong claws and multiple legs for scuttling. His size is sufficient to grasp the heron's neck effectively.
Attire: Natural chitinous exoskeleton, likely a mottled brown or green, providing natural armor.
Wants: Initially, to understand the heron's distress and seek safety for himself and the fish community. Later, to expose the heron's treachery and save his own life, and by extension, the lives of the remaining fish.
Flaw: Initially, his trust in the heron's apparent concern for the community.
Starts as a concerned community member. He becomes a detective, uncovering the heron's plot, and then a hero, saving the remaining fish by sacrificing the heron. He transforms from a follower to a leader and savior.
Observant, cautious, intelligent, brave, decisive, loyal (to his community).
Die Fische
A group of various freshwater fish, likely common species found in a German stream, such as trout, carp, or perch. They are of varying sizes, with iridescent scales and fins. They are depicted as healthy and numerous.
Attire: Natural scales, shimmering with various colors depending on the species (e.g., silver, gold, green, red).
Wants: To survive the perceived threat of the fishermen and find a safe new home.
Flaw: Their naivety and inability to discern deception, leading them to trust the heron implicitly.
Start as a thriving community, become terrified and desperate, then are nearly wiped out by the heron's trickery. They are ultimately saved by the Crab's intervention and return to a state of happiness and security.
Gullible, easily frightened, trusting, communal, grateful.
Locations
The Stream Bank
The edge of a small, clear stream, likely in a temperate European forest, where the heron initially hunts. The ground would be soft earth with some vegetation, possibly reeds or grasses growing along the water's edge. The water itself is clear enough for the heron to see fish.
Mood: Initially peaceful and abundant, later becoming anxious and desperate due to the heron's deception.
The heron lives and hunts here, later feigns distress to trick the fish. The fish and crab gather here to consult with the heron.
The Forest Clearing / Heron's Lair
A secluded clearing within a dense forest, likely in Central Europe, where the heron takes the fish to devour them. The ground is probably covered with leaf litter and forest debris, and there are visible remains of fish bones and skeletons, indicating a long-used feeding spot.
Mood: Grim, macabre, a place of hidden danger and death.
The heron brings the fish here to eat them. The crab discovers the truth of the heron's deception here.