DIE FRAU UND DER TIGER

by Friedrich Giese · from Türkische Märchen

fairy tale trickster tale hopeful Ages 8-14 1444 words 7 min read
Cover: DIE FRAU UND DER TIGER

Adapted Version

CEFR A1 Age 5 371 words 2 min Canon 100/100

Mama and children had a long journey. They walked in the hot desert. The sun was hot. The sand was deep. They were very tired. They wanted a new, safe home.

A big Tiger came. He had sharp teeth. He was very hungry. He looked at Mama and her children. His eyes were big and yellow.

Mama was scared. Her heart beat fast. But she thought fast. She had a very clever plan. She would talk to the big Tiger.

Mama talked to the Tiger. "Stop!" she said. "We wait for the big Lion. He is very, very strong. He has sharp claws. He gets very angry. You must not make him angry. We can share this food."

Mama said, "I have a sister. She is very, very strong. She makes big, hot fires. She will burn everything. Do not make her angry. She will come for me. She is very fierce."

The Tiger heard Mama's words. He was very scared. He was scared of the big Lion. He was scared of the strong sister. The Tiger ran away very fast. Mama and her children were safe now.

Later, the Tiger met a Fox. The Fox was very sly. He had a tricky smile. "You are silly," said the Fox. "That Mama lied to you. You let good food go!"

The Fox said, "Let us go back now. I will come with you. We will see the Mama. I will stay close." The Tiger agreed. He was still hungry.

Mama saw them coming back. She thought fast again. She lit a little fire. The fire made much smoke. Mama climbed a tall tree. Her children stayed below.

The Tiger and Fox came near. Mama shouted loudly from the tree. "Oh, Tiger! My strong sister is here! She came to help me! She looks just like a Fox! She will make big, hot fires!"

The Tiger was very, very scared. He heard Mama's words. He saw the Fox next to him. He thought it was the strong sister. The Tiger ran very, very fast away. The Fox also ran away fast.

Mama and her children were safe. Mama was very, very clever. They found a new, happy home. They lived there happily.

Original Story 1444 words · 7 min read

34. DIE FRAU UND DER TIGER

Vor alten Zeiten hatte ein nichtsnutziger Mann eine verständige Frau, die Pelenkferib hieß. Da dieser Mann infolge seiner nichtsnutzigen Charakteranlage die Frau immer quälte und schlug, so konnte seine Frau, nachdem er sie einmal wieder geschlagen hatte, es nicht mehr länger aushalten und verließ in einer Nacht mit ihren zwei Kindern das Haus und kam in eine Wüste, die so schrecklich war, daß selbst Riesen und Wüstengespenster sich dort fürchteten. Plötzlich erschien vor ihr ein Tiger, der sie mit ihren Kindern zu verschlucken beabsichtigte. Die Frau sagte zu sich: „Wenn man ohne Erlaubnis seines Mannes wegläuft, da ist es nicht wunderbar, wenn einem derartiges passiert.“ Sie gelobte Gott mit aufrichtigem Herzen Buße und bat um Verzeihung und versprach nach diesem, die Gewalttätigkeiten ihres Mannes zu ertragen und ihm willfährig zu sein.

Als der Tiger nun nahe herangekommen war, hatte sie eine göttliche Eingebung. Sie sagte zu sich: „Ich will jetzt eine List dem Tiger gegenüber anwenden. Wenn sie gelingt, ist es gut, und ich werde gerettet, wenn nicht, was macht es? Ich habe wenigstens nichts unversucht gelassen, um ihn fernzuhalten. Wenn ich jetzt schleunigst fliehen würde, so würde er mich doch einholen. Das würde mir nicht helfen. Es ist das Klügste, ihn zu überlisten. Ein anderes Mittel gibt es nicht.“

Sie rief also mit lauter Stimme: „Bleib stehen, Tiger, beeile dich nicht! Ich habe dir etwas zu sagen. Höre zu! Ich bin ja in deiner Hand, dann kannst du mit mir machen, was du willst.“ Der Tiger wunderte sich über diese Anrede, blieb stehen und fragte: „Was willst du mir sagen?“ Die Frau antwortete: „Ich bin aus dem Dorfe hier in der Nähe. Dieses Dorf beherrscht ein Löwe, der mit einem Sprunge die ganze Welt über den Haufen werfen könnte. Damit er nun nicht das ganze Dorf vernichte, haben die Bewohner aus Furcht vor ihm sich einmütig entschlossen, jeden Tag dreimal das Los zu werfen und, wen es trifft, in die Küche des Löwen zu schicken. Jetzt hat das Los meine beiden Söhne und mich getroffen. Nun bist du auch in der Hoffnung, daß ich dir als Nahrung diene, gekommen. Ich möchte dich nun nicht enttäuscht gehen lassen, das leidet meine Großmut nicht, aber es geht auch nicht an, den Löwen in seiner Nahrung zu schädigen. So ist es also billig, daß du einen von meinen Söhnen und die Hälfte von mir verzehrst und die andere Hälfte von mir und mein anderer Sohn für den Löwen verbleibt, damit weder du noch der Löwe leer ausgehen.“

Als der Tiger diese Worte hörte, fürchtete er sich vor dem Löwen und sagte voll Bewunderung über die Großmut der Frau: „Pelenkferib, eine solche Großmut habe ich bis jetzt noch bei keinem Geschöpf gesehen. Du opferst dich für den Unterhalt deines Feindes. Ist wohl bis jetzt deines Gleichen auf der Erde gewesen?“ Die Frau antwortete: „Großmut besteht darin, Leib und Leben dahinzugeben, allein mit Geld ist es nicht getan. Es gibt viele hunderttausend Menschen in dieser Welt, die dem Feinde Wohltaten erwiesen haben. Da fällt mir eine passende Geschichte ein. Wenn du willst, werde ich sie dir erzählen.“ Der Tiger war sehr begierig sie zu hören und sagte: „Erzähle, was ist das für eine Geschichte?“ Pelenkferib erzählte:

„In den alten Geschichtsbüchern wird erwähnt: Als der Beste der Kalifen der Ommajaden, der kluge und verständige Omar ben Abdulaziz, regierte, da vergiftete diesen Gerechten einer seiner Diener, ein unglücklicher, verfluchter Bösewicht. Als seines Körpers Pflanze durch die Einwirkung des Giftes grün wie ein Garten wurde und die Angelegenheit allgemein bekannt wurde, da ließ der Kalife diesen Diener, der ihm das Gift gegeben, zu sich allein rufen und sagte: ‚Unglücklicher, sage mir die Wahrheit, ob dies Verbrechen allein von dir ausgeht.‘ Der Bösewicht sagte notgedrungen die Wahrheit, daß ihm einer von den Feinden des Kalifen viel Geld versprochen habe, und deswegen habe er die scheußliche Tat getan.

Der Kalife sagte: ‚Du Tor, ich werde mich von dieser Krankheit nicht erholen, sonst würde ich dir viel Gutes schenken. Aber nach meinem Tode wird mein Sohn, der Erbe meines Thrones, sicherlich deine Hinrichtung befehlen. Darum fliehe schleunigst, solange ich noch lebe, aus diesem Lande, daß du dich vielleicht rettest.‘ Er gab ihm unzählige Goldstücke und schickte ihn weg.“

Als die Frau mit der Geschichte fertig war, wandte sie sich an den Tiger und sagte: „Ich muß ja sterben, und da ist es mir einerlei, ob ich vom Löwen oder vom Tiger aufgefressen werde. Ich würde mich freuen, wenn ich dir zufiele, da wir nun schon so lange miteinander erzählt haben, und in Wirklichkeit habe ich auch in meinem Herzen eine Liebe zu dir. Deswegen will ich dir einen Rat geben. Wenn du den einen meiner Söhne und die Hälfte von mir verzehrt hast, halte dich hier nicht auf, sondern entfliehe schnell, denn ich habe eine Zauberin zur Schwester. Diese weiß noch nicht, daß ich durch das Los dem Löwen zugefallen bin. Wenn sie es erfahren wird, kommt sie hierher und steckt die ganze Gegend in Brand, und wer sich ihr nähert, verbrennt zu Asche. Wenn sie zufälligerweise auch von dir hört, möchte sie auch dir ein Leid antun.“

Als der Tiger diese Worte hörte, fürchtete er sich sowohl vor dem Löwen wie auch vor der Zauberin. Da er außerdem Pelenkferibs Edelsinn bewunderte und Mitleid mit ihr hatte, so verließ er sie, ohne ihr etwas anzutun, und machte sich auf den Weg.

Unterwegs traf er einen Fuchs, mit dem er befreundet war. Als dieser den Tiger aufgeregt aussehend fand, fragte er ihn nach dem Grunde. Der Tiger erzählte ihm das Abenteuer, das ihm passiert war. Der Fuchs tadelte ihn und sagte: „Die Weisen haben Recht, wenn sie sagen, alle Tapferen sind dumm, denn auch du bist zwar tapfer, aber unverständig. Was nützt dir also dein Mut? Du Dummkopf, die Menschen sind vom Kopf bis zum Fuß nur List und Trug. Sie meinen, daß wir Füchse uns besonders auf die List verstehen, aber die Menschen sind uns überlegen. An Stellen, wo wir es nicht erwarten, stellen sie Fallen und fangen uns und tragen nachher unsern Pelz. Auch diese Frau hat einen so Mutigen wie dich betrogen. Kein Verständiger hätte eine so fette Beute aus der Hand gelassen. Laß von dieser Dummheit, führe mich an die Stelle. Vielleicht komme ich unter deinem Schütze auch zu einem Braten.“

Der Tiger antwortete: „Wenn die Frau nun die Wahrheit gesagt hat, und ihre Schwester, die Zauberin, kommt und uns durch ihre Zauberei verbrennen will, dann kannst du dich schnell in Sicherheit bringen, da du leichtfüßig bist. Ich aber, der ich von schwerfälligem Körperbau bin, kann nicht entfliehen. Außerdem habe ich mit der Frau einen Vertrag abgeschlossen, und sein Wort muß man halten. Darum wollen wir nun die Sache ruhen lassen.“ Der Fuchs aber blieb hartnäckig und sagte: „Tiger, die Frau hat gelogen. Wenn sie aber wirklich die Wahrheit sollte gesagt haben, so reiße mich zuerst in Stücke, und, wenn du meinst, daß ich schnell entfliehen und mich in Sicherheit bringen kann, so binde ein Bein von mir an das deinige, und so wollen wir gehen.“

Der Tiger band also ein Bein des Fuchses an sein Bein, und so zogen sie zu der Stelle, wo die Frau war. Diese hatte, als der Tiger sie verlassen hatte, zu sich gesagt: „Wenn ich jetzt schleunigst fliehe und der Tiger das, was er getan, bereut und zurückkommt und mich verfolgt, dann würde ich mich, auch wenn ich tausend Leben hätte, nicht vor ihm retten können. Darum ist es das Klügste, sich nicht zu beeilen, sondern hier zu bleiben. Wenn er kommt, will ich, um ihn zu täuschen, alles Schilf hier anzünden.“ Sie zündete alles Schilf in der Gegend an und stieg auf einen Baum. Da sah sie auch, daß der Tiger kam mit dem Fuchs, den er an sein Bein gebunden hatte, als Weggenossen. Sie erriet, daß dieser den Tiger aufgereizt habe. Sie rief daher unter Wehklagen vom Baume: „Du unverständiger Tiger, infolge unserer langen Unterhaltung hatte ich Mitleid mit dir. Warum hast du meinen Rat nicht befolgt und dich in dieses Feuermeer gestürzt? Ich hatte dir doch vorher gesagt, daß meine Schwester kommen und die Welt in Brand setzen werde. Durch Zauberei hat sie sich in einen Fuchs verwandelt und geht neben dir, während du glaubst, daß er dein Freund sei. Sie wird dich nun vernichten. Komm nicht näher, sondern bringe dich schleunigst in Sicherheit.“

Es fehlte wenig, daß dem Tiger das Herz vor Angst im Leibe zersprang. Um sich möglichst schnell zu retten, lief er so schnell, daß er eine Tagesreise in einer Stunde zurücklegte, und während er lief, wurde der an sein Bein gebundene Fuchs mitgeschleift und in Stücke gerissen, so daß er umkam.


Story DNA

Moral

Cunning and quick wit can overcome brute strength and danger.

Plot Summary

Pelenkferib, an abused wife, flees into the desert with her two children, where they are confronted by a hungry tiger. Using her quick wit, Pelenkferib invents a story about a powerful lion and a sorceress sister, convincing the tiger to leave them unharmed. A skeptical fox later persuades the tiger to return, binding himself to the tiger's leg. Seeing them approach, Pelenkferib sets the reeds on fire and shouts from a tree, claiming the fox is her sorceress sister in disguise, causing the terrified tiger to flee at such speed that the fox is dragged to its death, saving Pelenkferib and her children.

Themes

resourcefulnesscunning over strengthperseverancethe power of words

Emotional Arc

fear to relief

Writing Style

Voice: third person omniscient
Pacing: moderate
Descriptive: moderate
Techniques: nested stories, dialogue-driven plot progression

Narrative Elements

Conflict: person vs supernatural
Ending: moral justice
Magic: sorceress sister (implied, not actual), divine inspiration (implied)
the desert (danger, desperation)the fire (deception, protection)

Cultural Context

Origin: German (collected by Friedrich Giese, likely from an Eastern source)
Era: timeless fairy tale

Friedrich Giese was a German orientalist, suggesting this tale is a translation or adaptation of a story from an Eastern tradition, likely Persian or Arabic, given the specific reference to a Caliph.

Plot Beats (13)

  1. Pelenkferib, abused by her husband, flees with her two children into a dangerous desert.
  2. A tiger confronts them, intending to eat them.
  3. Pelenkferib, regretting her flight from her husband, repents and then devises a plan to trick the tiger.
  4. She tells the tiger that she and her children are destined as food for a powerful lion, and offers to share them, but warns against angering the lion.
  5. To further impress the tiger, she tells a story about Caliph Omar ben Abdulaziz's extreme generosity to his poisoner.
  6. She then warns the tiger about her sorceress sister who will burn the land if she finds out Pelenkferib is taken.
  7. The tiger, impressed by her 'magnanimity' and fearful of the lion and sorceress, leaves Pelenkferib and her children unharmed.
  8. The tiger encounters a fox, who scolds him for being foolish and letting such a meal escape, insisting the woman lied.
  9. The fox convinces the tiger to return, binding one of his legs to the tiger's to prevent his own escape if the sorceress is real.
  10. Pelenkferib, anticipating the tiger's return, sets the surrounding reeds on fire and climbs a tree.
  11. When the tiger and fox approach, Pelenkferib cries out from the tree, accusing the fox of being her sorceress sister in disguise.
  12. The tiger, utterly terrified, flees at top speed, dragging the bound fox, who is torn to pieces and dies.
  13. Pelenkferib and her children are safe.

Characters

👤

Pelenkferib

human adult female

A woman of average height and build, likely with features consistent with a Middle Eastern or North African background, given the story's themes and the mention of a Caliph. Her body shows signs of hardship and possibly past abuse, but she carries herself with an underlying resilience.

Attire: Simple, practical clothing suitable for a woman of her social standing and for travel. Likely a long, loose-fitting tunic (thobe or similar) made of natural fibers like linen or cotton, in muted, earthy tones. Perhaps a simple head covering (hijab or similar) to protect from the sun and dust of the desert.

Wants: To protect her children and herself from immediate danger, and ultimately, to survive and return to a stable life, even if it means enduring her husband's abuse.

Flaw: Her initial desperation and fear, and her vulnerability as a lone woman with children in a dangerous world. She is also bound by societal expectations regarding a wife's obedience.

She transforms from a desperate, fleeing victim into a masterful strategist who outwits two dangerous predators, reaffirming her strength and resourcefulness.

Her calm, intelligent gaze as she weaves a complex lie to save her life.

Intelligent, quick-witted, resourceful, resilient, compassionate (as shown by her 'generosity' towards the tiger), and deeply protective of her children.

🐾

The Tiger

animal adult non-human

A large, powerful tiger, typical of its species, with a muscular build and a heavy frame. Its fur is a vibrant orange with distinct black stripes, and its eyes are keen and predatory. Its size is imposing, capable of instilling terror.

Attire: Natural tiger fur, orange with black stripes.

Wants: To find food and satisfy its hunger.

Flaw: Its gullibility and susceptibility to flattery, as well as its deep-seated fear of more powerful predators (the imagined Lion and Sorceress).

It begins as a confident predator but is ultimately outsmarted and driven away by the woman's cunning, ending up terrified and fleeing.

Its powerful, striped body, initially poised to attack, then fleeing in terror.

Predatory, initially confident, easily swayed by flattery, gullible, fearful (especially of perceived greater threats), and somewhat honorable (believes in keeping a 'contract').

🐾

The Fox

animal adult non-human

A sleek, cunning fox, smaller than the tiger, with reddish-brown fur, a bushy tail, and pointed ears. Its body is agile and quick.

Attire: Natural fox fur, reddish-brown.

Wants: To get a share of the 'fat prey' (Pelenkferib and her children) and to prove its own cleverness.

Flaw: Its overconfidence in its own cunning and its underestimation of human intelligence, leading to its demise.

Begins as a confident trickster, but its arrogance leads it to a gruesome end, disproving its own claims of superior cunning.

Its sly, knowing grin, quickly replaced by a look of terror as it's dragged away.

Cunning, skeptical, opportunistic, arrogant (believes in its own superior trickery), and ultimately foolish.

Locations

The Desolate Wilderness

outdoor night Unspecified, but implied to be harsh and unforgiving, typical of a desert at night.

A vast, terrifying desert landscape, so dreadful that even giants and desert ghosts fear to tread there. It is an open, exposed area, likely with sparse, hardy vegetation if any, and a sense of immense, oppressive space.

Mood: Terrifying, desolate, dangerous, hopeless, then shifting to tense and strategic.

Pelenkferib flees her home with her children and encounters the tiger, where she devises her clever ruse.

vast open terrain sparse, hardy desert plants (if any) dark, moonlit or star-lit sky sandy or rocky ground

The Burning Reed Bed

outdoor unspecified, likely daytime or dusk for visibility of fire Dry conditions, conducive to fire.

An area within the wilderness characterized by dense reeds, which Pelenkferib sets ablaze to create a 'sea of fire'. The flames are high and widespread, creating a chaotic and dangerous environment.

Mood: Chaotic, dangerous, desperate, climactic, visually dramatic.

Pelenkferib sets fire to the reeds as a final, desperate act to scare away the returning tiger and fox, and she climbs a tree for safety.

tall, dry reeds large, spreading flames smoke plumes a sturdy tree for climbing