Schneeflocken
by Edna Fern · from Venusmärchen: Geschichten aus einer andern Welt
Adapted Version
High in the cold mountains, tiny snowflakes danced. They were happy. They wanted to see more. The snowflakes twirled and spun around. They jumped up and down. The Wind played a soft song for them. It sang through the tall trees. The trees shook their branches. The Wind sang of far lands. It sang of big, cold places. It sang of white bears playing. The bears danced slowly. It sang of bright, cold stars. The stars looked down from the sky. The Wind sang a gentle song. The snowflakes loved to dance. They danced with the Wind. The Wind lifted them high. They held onto tree branches.
The snowflakes rested on an Old Fir Tree. They snuggled close to its green needles. The needles whispered soft tales to them. They told a forest story. It was about a little tree. This little tree lived in the quiet woods. It wanted to go to the valley. One day, men came with axes. They cut the little tree down. They tied a rope around it. They took it to the town. There, it became a Christmas tree. It had many bright lights.
Two snowflakes asked, "What is Christmas?" The Old Fir Tree spoke slowly. "It is a special winter day. People share love then. They share it in the valley." Snowflakes looked at each other. They wanted to see this love. They wanted to go to the valley.
The snowflakes asked the Wind. "Take us to the valley!" The Wind sighed. It sang a soft warning. "The valley is new. People can be tricky. Be safe, little friends." But the snowflakes wanted to go. They wanted to see the love.
The Wind carried them down. They floated gently. They saw a quiet house. Ice flowers were on the window. The ice flowers were pretty. They looked inside the house. A Christmas tree stood tall. It had bright lights. Many toys were around it.
The ice flowers whispered. "Children are very happy here. They love the tree." Snowflakes wanted to be inside. They wanted to see the joy. They found a tiny crack. It was in the window. They slipped through the crack.
The clock struck twelve. It was midnight. A magic time began. The pretty things moved. They began to talk. The room was full of whispers. The snowflakes watched them.
A Little Statue smiled. It was a small angel. "Share your love," it said. "Share it each day. That makes hearts happy." The snowflakes listened well.
The Christmas tree spoke. "People at times forget. They forget true love. But look in a child's eyes. You will see real love there." The snowflakes knew.
A child came into the room. The child saw the snowflakes. "Little angels!" the child said. The child held out hands. The child smiled a big smile.
The snowflakes fell into hands. The hands were warm. The snowflakes turned to water. They were gone. The child looked sad. "Oh no," the child whispered.
Some fir needles were there. They were in the child's hair. The needles touched the child. They told a soft story. "The snowflakes searched for love. They found it with you. Their journey was special."
The child thought of the special snowflakes. Each Christmas, the child told their story. It was a story about tiny friends. They looked for love. They found it, even for a little while. And that made everyone smile.
Original Story
Schneeflocken.
Die Schneeflocken haben Ball heute Abend. Hei! Wie sie sich schwingen in tollem Reigen da oben auf den Bergen, wie sie durcheinander wirbeln und auf und niederspringen, daß einem ganz schwindelig wird beim Hereinschauen. Und der Wind spielt ihnen auf dazu; er saust durch die Tannenwipfel und schüttelt die Kronen der alten Waldriesen, daß sie die Zweige pfeifend gegen einander schlagen; er braust durch die Schluchten und gellt durch die Felsenklüfte, daß es fast wie Hohngelächter klingt, er singt ihnen ein Nordlandslied, wild wie sein Brausen und Toben. Er singt ihnen von den eisigen Gletschern da oben im Norden, und von der Eisjungfrau, die da haust mit Augen, klar und doch unergründlich, wie der Bergsee; er singt, wie sie mit schrillem Lachen die weißen Arme ausbreitet und an den Schneewänden ihres Eispalastes rüttelt – dann stürzen die Lawinen krachend zu Thal und begraben das Menschenvolk da unten. Von den lustigen Gesellen, den Eisbären, erzählt er, seinen Freunden, wie sie im täppischen Tanz umeinander sich drehen, fast wie riesengroße, weiße Schneeflocken, daß es gar komisch anzusehen ist; und von den Schiffen, die zwischen den Eisblöcken stecken, und den Menschen darauf, deren heißes Menschenherz langsam zu starrem Eise wird; von den flimmernden, glitzernden, funkelnden, kalten Sternen da oben am Himmel, die todesruhig lächelnd herniederschauen; von dem Nordlicht, das aufflammt mit trotziger Glut und der Eisjungfrau auf ihrem Gletscher einen rosigen Schleier überwirft, aus dem sie herauslächelt, fast wie ein Menschenbild – so lockt sie die Menschen an, die kühnen Jäger, und sie steigen hinauf zu ihr, immer höher und höher, und sie winkt ihnen und lächelt süß, verheißend – und dann stürzt sie die thörichten Gesellen hinab, in die eisige Tiefe. – Hoiho! jauchzt der Wind, wild ist mein Nordlandslied! Wild, wie der Eiskönigin Lachen, wie der Lawinendonner! Und hoch empor wirbelt er die armen Flöckchen, bis sie sich ermattet an den Tannenzweigen festklammern.
Da ist's gut ruhen; sie schmiegen sich eng an die Nadeln hin – die flüstern und kosen mit ihnen, die wiegen sie hin und her und erzählen ihnen Waldmärlein: von dem naseweisen Tannenbäumchen, das gar nicht zufrieden gewesen damit, daß es im schönen grünen Wald gewohnt und die Füßlein im weichen Moos gebettet hat; gelangweilt hat es sich auf seinem heimatlichen Stückchen Erde und hat hinausgewollt in die weite, weite Welt und gejammert und geschluchzt: O Wind, nimm mich mit! O Quell, rausch' mich zu Thal!
Da hat mit einemmal die Waldfee vor ihm gestanden im grünen Gewand und lockigen Haar, hat es mit den Blumenaugen angeschaut, mit den zarten Händen berührt und gesagt: »Geh', mein Bäumchen, reise zu Thal. – Sie werden Dir weh tun, Dich von Ort zu Ort schleppen, und doch bringst Du ihnen von den Bergen herunter die Sehnsucht mit – den Tannenduft, damit sollst Du ihnen die Seele erfüllen, daß sie gut werden und sich freuen wie die Kinder.«
Dann hat sie das Bäumchen geküßt und ist im Wald verschwunden. –
Danach sind eines Tages zwei Männer gekommen und haben sich das Tannenbäumchen von allen Seiten angeguckt und zufrieden mit den Köpfen genickt. Dann haben sie ihre Pelzkappen zurückgeschoben und sich die Hände gerieben und die blanken Aexte genommen und haben die Füßchen der Tanne geschlagen, daß es durch den Wald gedröhnt hat, haben sie zur Erde geworfen, ihr einen Strick um den Leib gebunden und sie hinter sich hergeschleift über Stock und Stein, durch Schnee und Eis. Und das Tannenbäumchen hat leise vor sich hingeweint, und die großen Bäume auch; aber die Männer haben das nicht gehört, die meinten: Horch – wie der Wind pfeift!
So ist die kleine Tanne zum Weihnachtsbäumchen geworden, wie die Waldfee sagt – denn da unten im Thal feiern sie Weihnacht – –
»Was ist das?« fragten zwei neugierige kleine Schneeflocken, die sich angefaßt hatten und mit ihren zarten, weißen Gliederchen auf den Zweigen der alten Tanne auf und nieder wippten.
»Ja, was ist das!« sagte die alte Tanne, »Wintersonnenwende nennen wir's, und die Waldfee sagt: Jetzt wacht die Sonne auf und nun beginnt tief unten in der Erde das Keimen und Wachsen, bis es schließlich herauf dringt zu uns und die ganze Welt erfüllt. Aber da unten im Thal nennen sie's Weihnacht und sagen, die Liebe wäre ihnen geboren – und dann schmücken sie das Tannenbäumchen mit vielen, vielen Lichtern und zünden sie an, daß man meint, der ganze Baum stände in Flammen, und läuten mit ihren Glocken dazu – da – hört Ihr's?«
»Bim bam bum!« singen die kleinen Schneeflocken, »da möchten wir hin!« und sie bitten den Wind: »Wind, fahr' uns hinab!« – Der breitet seine großen, weißen Schwingen aus, die beiden Flöckchen klammern sich mit ihren vielen Fingerchen daran fest und nesteln sich in ihren Zottelpelzen tief in die Fittige ein, und heidi! da ging's zu Thale.
»Grüßt mir das Tannenbäumchen!« rief die alte Tanne ihnen nach – und sie brummte in den Schneemantel hinein, der sich allgemach um ihre starken Glieder gelegt hatte: »Komisches Volk, diese Menschen! Mußte ihnen die Liebe erst geboren werden? Ist sie denn nicht so alt, wie die Welt steht?«
Und dann schüttelte sie ihre Nadeln, daß die Schneeflocken, die schon darauf eingeschlafen waren, erschrocken in die Höhe fuhren.
Die beiden neugierigen Schnee-Engelchen aber flogen zu Thal, und der Wind war bös und pfiff ihnen in die kleinen Ohren, daß es gellte: Puh – da unten ist's schlecht. Was wollt Ihr bei den Menschen? Entweder sie ballen Euch zusammen und werfen sich mit Euch gegenseitig an die Köpfe, oder sie kehren Euch auf einen Haufen, daß ihr ganz schmutzig werdet und die Sonne Euch aufschmilzt – umkommen thut Ihr jedenfalls!
Doch da waren sie schon im Thal angelangt, vor einem großen, schönen Hause; das lag still und dunkel und allein. Nur aus einem Fenster schimmerte ein roter Schein, dahin flog der Wind, und sieh'! von dem Fenster her grüßte und winkte es den Flöckchen entgegen – das waren ihre Basen, die Eisblumen, die an den Glasscheiben in die Höhe wuchsen und allerlei wunderliche Gestalten angenommen hatten, und die Flöckchen setzten sich zu ihnen und guckten in's Haus hinein. Da drinnen ist's prächtig: ein hohes, weites Gemach, und aus einem großen, weißen Marmorkamin flutet der rote Feuerschein drüber hin, über den Tannenbaum, der schön geschmückt und glänzend dasteht, über die vielen bunten Spielsachen und all die kleinen Figürchen, die da unter'm Tannenbaum ihr Wesen treiben.
Die Eisblumen erzählten, wie schön es gewesen sei, als das Tannenbäumchen ganz in Flammen gestanden und die Kinder um es herumgesprungen wären und gelacht und getollt und gejubelt hätten. Dann haben sie die Lichter gelöscht und ein Duft ist durch das Zimmer gezogen, so würzig, so zart, so wunderstark, noch riecht's in allen Ecken darnach –
Die Schneeflöckchen vergingen fast vor Sehnsucht nach all dem Schönen. Mitleidig verrieten ihnen die Eisblumen, daß ganz, ganz unten am Fenster eine schmale Ritze offen wäre, da könnten sie noch besser hineingucken, und vorsichtig kletterten die Flöckchen an den glatten Scheiben hinunter und nun stehen sie vor der Fensterritze – – –
»Also, so sieht Weihnacht aus!« flüstern sie einander zu, »komm', wir wollen uns an die Händchen fassen und hineingehen und den Weihnachtsduft einatmen.«
»Thut das nicht,« antworteten die Eisblumen, »Ihr seid Kinder der Luft, Ihr gehört nicht zu denen dadrinnen – Ihr werdet hinsterben vor Sehnsucht zu ihnen.«
Aber die Flöckchen hörten nicht auf die Erfahrenen; sie zogen sich ihre kleinen Schneemützchen über die Ohren, damit sie auch hübsch kalt blieben und schlüpften durch die Fensterritze. – Da schlug's Zwölf. Das kleine Männchen in der bunten Uhr, die auf dem Kaminsims stand, kam zwölfmal herausspaziert und beim letzten Mal nahm es seinen kleinen Dreimaster ab und verbeugte sich und sagte: »Meine Herrschaften, die Geisterstunde hat geschlagen!« –
Dann verschwand es wieder in seinem Glashäuschen, und klirrend schlug die Thür hinter ihm zu.
Nun begann ein wunderliches Wispern und Tustern in allen Ecken und Winkeln – alles im Zimmer wurde lebendig und es war plötzlich ein Stimmengewirr wie beim Turmbau zu Babel. Alle die vielen Deckchen und Schleifen, die an den Stühlen und Lehnen herumhingen, fingen an, eine der andern Vorwürfe zu machen, daß sie sich immer den Menschen auf den Rücken setzten oder auf der Erde herumtrieben, und wurden so heftig dabei, daß sie sich schließlich gegenseitig mit sich selber bombardierten. – Das Sofakissen wurde elegisch und machte der Schlummerrolle eine Liebeserklärung. – »Sie haben eine so schöne Gestalt!« sagte es, – »von oben bis unten egal!« Und die Feuerzange beim Ofen wollte die Schaufel umarmen und kniff ihr dabei derb in die Nase. Die kleinen Sèvres-Figürchen auf dem Kamin schürzten ihre Rokokokleidchen zum Tanz und der Nußknacker, der in der Uniform eines Gardelieutenants auf dem Weihnachtstische stand, klemmte sein Monocle ins Auge, näselte: »Charmant, auf Taille!« und klappte seine Kinnladen mit einem gefährlichen Ruck wieder zu. Dieser Nußknacker war überhaupt ein Don Juan; just hatte er der niedlichen kleinen Puppendame, die in Balltoilette auf einem rotsammetenen Lehnstuhl saß, versichert, sie sei seine erste und einzige Liebe, und nun warf er der porzellanenen Schäferin da oben Kußhände zu und entschuldigte sich damit, daß es ja Weihnachten sei.
Da entdeckte er plötzlich die beiden kleinen Fremdlinge, die sich in ihren weißen Schwanenpelzchen scheu in die Fensterbank gedrückt hielten.
»Das ist ja etwas sehr Niedliches!« Und der Lieutenant klemmte seine Monocle ein und beeilte sich, mit allersteifsten Gardebeinen durch den Saal zu marschieren.
»Premier-Lieutenant Knack von Mandelkern, I. Rrrment, Bleisoldaten zu Fuß,« schnarrte er und schlug die Hacken aneinander, daß unsere Schneeflöckchen erstaunt seine Füße anguckten. – »Damen fremd hier? – äh – dürfte Ehre haben, Chaperoneur zu sein?«
»Ach,« sagten die Flöckchen schüchtern, »wir gehören hier eigentlich gar nicht her – wir sind nur hereingekommen – wir wollten gern wissen – können Sie uns vielleicht sagen, was Weihnacht ist?«
»Wa – wa – was – Weihnachten?« Dem Herrn Gardelieutenant fiel vor Erstaunen das Monocle weg, ohne daß er erst dazu eine Fratze zu schneiden brauchte, und sein Nußknackermund blieb ihm offen stehen, worüber die Flöckchen so erschraken, daß sie aufsprangen und von der Fensterbank auf die Erde flogen.
»Weihnachten? – Weihnachten ist Weihnachten,« brummte Lieutenant Knack von Mandelkern entrüstet, nachdem er vorher seinen Mund wieder zugeklappt hatte – dann klemmte er das Glas wieder ein und sah den Flöckchen nach – »nette Pusselchen – aber noch sehr jrün – die reene Unschuld vom Lande.« – –
Die Schneeflöckchen aber waren geradewegs auf ein schönes Buch mit Goldschnitt gesunken, das vom Tisch auf die Erde gefallen war – auf dem stand mit großen bunten Lettern als Titel gedruckt: Weihnacht und unsere Vorfahren! Das sprach jetzt mit gewählten Worten: »Was Weihnachten ist, wünschen Sie zu wissen, meine Lieben? – Sehen Sie mich an.« Und dabei schlug es sich auf und begann zu lesen: »Schon zur Zeit Winfrieds, des hl. Bonifacius, des großen Heidenbekehrers, feierten unsere Altvordern, beseelt von einem dunklen Drange, der sie zur Verehrung eines unbestimmten Etwas antrieb, im Winter, unter Schnee und Eis, ein Fest.«
»Altes Buch, schweig' doch still! – Hüh! Hoh! Wollt Ihr wohl laufen, Ihr faulen Tierchen!« klang es da unter dem Tischdeckenzipfel hervor, und als die Schneeflöckchen, die sich große Mühe gaben, die weisen Worte des Buches zu verstehen, sich umschauten, kam pfeilgeschwind eine drollige kleine Equipage herangesaust, schnurgerade über das gelehrte Goldschnittbuch hinweg, das sich voller Entrüstung erhob und mit Würde von dannen wandelte. – In dem von sechs weißen Mäuschen gezogenen Wägelchen stand ein kleiner nackter Junge, mit Flügeln an den Schultern und einem Bogen in der Hand, und sang und jubelte in die Welt hinein. Der hat auf einer schönen Dose gesessen, in der allerlei bunte, glänzende Steine und Goldsachen blitzten, und als der alte Herr in der Uhr die Geisterstunde verkündete, da ist er heruntergesprungen und hat sein lustiges Wesen getrieben.
Ei, wie ihn die Rubinenaugen des Schlangenarmbandes anfunkelten, und so viel die Schlange auch nach ihm mit dem Goldzünglein gezischelt, – »ich bin die Schlangenkönigin,« sagte sie, »ich ringele mich um weiße Arme, weiße Nacken, ich ringele mich bis ins Herz hinein und bringe ihm den Schlangenzauber, dem niemand wiedersteht,« – es half ihr nichts: das kecke Bürschchen schlang sie sich um die kleine weiße Brust, und die Rubinenaugen funkelten ihm von der Schulter herunter.
»Pah!« lachte er, »mein Pfeilgift ist viel stärker als Deins, – Du kannst mir nichts anhaben.«
Nun setzte er sich in die große Walnußschale, die ihm der Nußknacker geschenkt hatte dafür, daß er der niedlichen Rokokodame einen Pfeil ins Sèvresherzchen geschossen.
Aber er hatte keine Pferde zum Vorspannen. Da war er auf den Weihnachtstisch spaziert, wo die heilige Krippe aufgebaut war, und hatte den hl. Joseph um das Oechslein und das Eselein gebeten, sein Wägelchen zu ziehen; aber der hl. Joseph hatte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen über solch ein Ansinnen, obgleich Mutter Maria mit dem Kindlein auf dem Schoß ihre Freude an dem kecken Gesellen gehabt hatte.
Da war er den hl. Drei Königen aus dem Morgenlande entgegengegangen, die gar bedächtig mit prächtigem Gefolge heranmarschiert kamen. »Majestät,« sagte das Gesellchen höflich, »dürfte ich vielleicht eines Ihrer Kamele für mein Wägelchen benutzen? – Sie haben ja deren so viele.«
Aber der schwarze Balthasar, der Mohrenkönig, fletschte ihm seine weißen Zähne entgegen, und Kaspar und Melchior hielten ihm das Weihrauchfaß mit Myrrhen unter die Nase, daß er niesen mußte – da sprang er davon und bat den Tannenbaum, und der schenkte ihm sechs kleine, weiße Zuckermäuse, die an seinen Zweigen hingen.
Nun hielt er mit seinem flinken Gespann vor den Schneeflöckchen und lachte: »Ach, was seid Ihr für herzige Dingerchen. – Gleich möchte ich mit meinem Goldpfeil durch Eure Schwanenpelzchen in die Herzchen hineinschießen. Kommt, steigt ein – wir fahren zum Weihnachtsball in die Puppenstube; da tanzen Sie gravitätisch und mit Anstand ein würdiges Menuett und sind brav und gesittet – aber Ihr sollt 'mal sehen, was ich da für einen Wirrwarr anrichte.«
Den Schnee-Engelchen gefiel zwar der kleine Bursche sehr gut, aber sie schüttelten doch die Köpfe, daß die Pelzkapuzchen hin und her wackelten.
»Ach nein,« sagten sie, »hier können wir nicht tanzen – hier ist es uns viel zu warm. Wir sind auch nur hereingekommen, um zu lernen, was wohl eigentlich Weihnacht ist.«
Da setzte sich das Gesellchen auf den Rand seiner Nußschale, schlug ein Bein über das andere und legte simulierend den Finger an das kecke Näschen:
»Ja, sehen Sie, meine kleinen Engelchen – das ist eine kuriose Geschichte. Da unter dem Weihnachtsbaum liegt ein kleines, nacktes Kindchen in einer Krippe, dessen Geburtstag feiern sie, und sie sagen, er sei der Gott der Liebe. – Nun aber hat mir mein heidnischer Vater im Olymp – ich bin nämlich ein Heide, mein Name ist Amor – immer gesagt, ich wäre der Gott der Liebe, und ich wäre, trotz meiner Jugend, so alt wie der Olymp und die Welt und das große, große Meer selber. – Da muß also irgendwo eine Verwechselung sein. – Ich schlage vor, wir feiern das ganze Jahr Weihnacht und halten mein Schwesterchen Freude, wenn sie davon fliegen will, am Gewandzipfel fest. – Ich kehre mich so wie so nicht viel an die Jahreszeiten – meine Pfeile fliegen das ganze Jahr durch, und die Küsse sind immer am süßesten, wenn sie geküßt werden.« – Und dabei breitete der kleine Schlingel die Arme aus und wollte die hübschen Flöckchen küssen; die aber faßten sich an die Hände und flogen ihm davon, geradeswegs auf die Tanne zu und klammerten sich an ihre Zweige fest und schaukelten sich und sangen:
Sag' uns, was ist Weihnacht?
Da ging ein Leben durch die Zweige der Tanne, all' das Rauschegold, mit dem sie geschmückt, knisterte und raschelte, die Krystallkugeln klirrten – stärker denn je dufteten die Tannennadeln, und horch! mit dem Tannenduft ziehen Sehnsuchtslaute durch den Saal:
»Ach, meine Flöckchen, wohl bin ich geschmückt, wohl trage ich eine Krone, wohl habe ich geflammt in vieler Kerzen Schein – für die Weihnacht. – Aber gebt mir die Wintersonnenwende wieder, laßt mich umbrausen, umtosen vom Wind, laßt den ersten Sonnenstrahl mich umschmeicheln und mir ins Herz hineinlachen. – Nehmt mir Alles dafür hin!
Was die Weihnacht ist?
Kummer und Trübsal, und Haß und Neid und Mißgunst, und Heuchelei und Geldstolz – das ist Weihnacht unter den Menschen; und zum Hohn nennen sie's das Fest der Liebe! Schneeflöckchen, wenn Ihr die Liebe sucht, fliegt nimmer zu Thal. Und eines doch: Wenn das Kinderauge uns anlacht – wenn wir in seinem reinen Glanz uns spiegeln, wenn die Kinderärmchen sich nach uns ausstrecken, die Kinderstimme uns anjauchzt –«
Da öffnete sich leise, leise die Thür, und auf der Schwelle stand ein Kindchen und blickte verschlafen um sich und strich sich die blonden Härchen aus dem heißen Gesicht. – Nicht schlafen konnte das Kind vor Freude über Weihnacht, und es hatte ein Geraune und Geflüster gehört neben dran und war aufgestanden, ganz leise, daß es die Eltern nicht gestört, und schlich mit den bloßen Füßchen über den Teppich hin, und stand mitten unter dem lustigen Volk. –
Aber da schnarrte die Uhr und das alte Männchen kam wieder herausspaziert und sagte mit dumpfer Stimme: Eins! und nun war alles wieder still und stumm und leblos, wie es vorher gewesen. Nur die Schnee-Engelchen konnten nicht so schnell zum Fenster hinfliegen – da erblickte sie das Kind: »Das sind die Engelein vom Himmel,« jauchzte es, »Tanne, die hast du mir mitgebracht!«
Und mit beiden Armen griff es nach den Flöckchen und preßte sie an sich und drückte und herzte sie – ach – und da vergingen sie ihm unter den Händen, und das Kind betrachtete verwundert seine leeren feuchten Aermchen – da schlich es betrübt in sein kleines Bett und weinte, weinte bitterlich.
Aber die Tannennadeln, die sich in seinem Kraushaar gefangen hatten beim Spielen, die neigten sich an des Kindes Ohr und erzählten ihm vom Tannenwald und dem Wind und der Schneeflöckchen-Reise, das ganze Märlein, da schliefs Kindchen ein.
Und wann es aufgewacht ist, und wieder und wieder aufgewacht, und größer und älter geworden, wann die Wintersonnenwende ihm gekommen ist, da zieht ihm, dem großen Kind, zu Weihnacht mit dem Tannenduft immer wieder das Märchen durch die Seele – das Märchen von den Schneeflocken, die ausgezogen, die Liebe zu suchen, und an der Liebe gestorben sind.
Story DNA
Moral
True love and beauty, especially in its purest form, can be fragile and may not survive the harsh realities of the world, yet its memory can inspire.
Plot Summary
Two curious snowflakes, inspired by an old fir tree's tale of Christmas, descend from their mountain home to the human valley, despite the wind's warnings. They observe a festive Christmas scene through a window and, slipping inside during the 'ghost hour,' encounter animated decorations, including a cynical fir tree and a mischievous Cupid, who offer conflicting views on love and Christmas. Ultimately, a child discovers the snowflakes and, in a loving embrace, causes them to melt. Though saddened, the child is comforted by the fir needles, which preserve the memory of the snowflakes' quest for love, making it an enduring tale.
Themes
Emotional Arc
curiosity to wonder to sorrow to enduring memory
Writing Style
Narrative Elements
Cultural Context
The story blends pagan and Christian winter traditions, reflecting a common theme in German Romanticism and fairy tales of the era. The 'ghost hour' and animated objects are typical of E.T.A. Hoffmann's influence.
Plot Beats (14)
- Snowflakes dance in the mountains, listening to the wind's wild Northland song about glaciers, the Ice Maiden, and the fate of men.
- The snowflakes rest on an old fir tree, which tells them a 'forest tale' about a young fir tree that wished to go to the valley and became a Christmas tree.
- Two curious snowflakes ask the old fir tree about 'Christmas,' and it explains it as 'Winter Solstice' and a time when 'love is born' in the valley, prompting their desire to go.
- The snowflakes ask the wind to carry them to the valley, despite the wind's warnings about humans' destructive nature.
- They arrive at a quiet house, where ice flowers on the window guide them to look inside at the beautifully decorated Christmas tree and toys.
- The ice flowers tell them about the children's joy around the tree, and the snowflakes, longing for the beauty, find a crack in the window to enter.
- As they enter, the clock strikes midnight, signaling the 'ghost hour,' and various Christmas decorations come to life.
- A book titled 'Christmas and Our Ancestors' begins to explain the historical origins of Christmas, but is interrupted by a mischievous Cupid figure.
- Cupid, identifying himself as the pagan god of love, questions the Christian concept of Christmas love and suggests celebrating love all year.
- The snowflakes, still seeking the true meaning of Christmas, ask the fir tree, which, despite its festive appearance, expresses disillusionment with human Christmas, calling it a time of 'sorrow and hatred' and urging them to avoid the valley if seeking love, except in a child's eyes.
- A child quietly enters the room, sees the snowflakes, and joyfully embraces them, believing them to be angels.
- The snowflakes melt in the child's warm hands, leaving the child bewildered and sad.
- The child cries but is comforted by fir needles caught in its hair, which whisper the entire story of the snowflakes' journey.
- As the child grows, the memory of the snowflakes' quest for love, and their demise in its embrace, becomes an enduring Christmas tale.
Characters
The Wind
Invisible, but its presence is felt as a powerful, wild force. Described as having 'large, white wings' when carrying the snowflakes, suggesting a vast, ethereal, and strong form.
Attire: Not applicable, as it is an invisible force.
Wants: To express its wild nature, to sing its Northland song, and to interact with the natural world and its inhabitants.
Flaw: Its wildness can be destructive; it cannot directly prevent the fate of the snowflakes.
Remains consistent as a powerful, wild force throughout the story, serving as a narrator and facilitator.
Wild, boisterous, mocking, powerful, knowledgeable (especially of the Northland and its dangers), sometimes helpful (carrying snowflakes), but also harsh and warning.
The Ice Maiden
Described as having 'white arms' and 'eyes, clear and yet unfathomable, like the mountain lake'. She lives in an ice palace.
Attire: Implied to wear a 'rosy veil' created by the Northern Lights, suggesting ethereal, cold beauty.
Wants: To lure humans to their icy demise.
Flaw: None explicitly stated, she is a force of nature.
Remains a static, dangerous figure in the Wind's song.
Alluring, dangerous, deceptive, powerful, cold, cruel.
The Forest Fairy
Stood before the little fir tree in a 'green gown' and 'curly hair'. She has 'flower eyes' and 'delicate hands'.
Attire: A flowing, vibrant green gown, likely made of natural materials like leaves or moss, fitting her forest dwelling.
Wants: To guide and advise the fir tree, fulfilling its destiny while imparting a lesson about its purpose.
Flaw: None explicitly stated, but her power is limited to guidance, not preventing suffering.
A static character who provides crucial guidance to the little fir tree.
Wise, gentle, empathetic, prophetic, magical.
The Little Fir Tree
A young fir tree, initially rooted in soft moss, later cut down. Described as having 'little feet' (roots) and 'branches'.
Attire: Its natural needles and branches, later adorned with 'rustling gold' and 'crystal balls' as a Christmas tree.
Wants: To escape its mundane existence in the forest and experience the 'wide, wide world'. Later, to understand 'Christmas'.
Flaw: Its naivety and desire for more lead to its suffering and eventual disillusionment.
Transforms from a discontented forest tree to a suffering Christmas tree, and finally to a wise, somewhat cynical observer of human traditions, retaining its ability to evoke longing.
Naive, discontent, longing for the wider world, later sorrowful, then reflective and somewhat cynical about human 'Christmas'.
The Old Fir Tree
An old, strong fir tree with branches that can be clung to. It has 'strong limbs' and is covered in a 'snow mantle'.
Attire: Its natural needles and branches, covered in a 'snow mantle'.
Wants: To share its wisdom and observations, to provide shelter.
Flaw: None explicitly stated; it is a steadfast, ancient presence.
Remains a static, wise observer.
Wise, experienced, a bit cynical about humans, nurturing (to the snowflakes), observant.
The Two Curious Snowflakes
Small, delicate, white 'limbs' and 'many little fingers'. Described as 'little snow-angels' with 'fur hoods'.
Attire: Their natural crystalline form, referred to as 'swan fur coats' and 'fur hoods' (Pelzkapuzchen), suggesting soft, white, downy coverings.
Wants: To understand what 'Christmas' is and to find 'love'.
Flaw: Their delicate nature makes them vulnerable to warmth and human touch, leading to their demise.
Begin as curious, innocent beings, embark on a journey to find love and understand Christmas, and ultimately sacrifice themselves in an act of love, dying in the child's hands.
Curious, adventurous, innocent, eager to learn, easily charmed but ultimately steadfast in their purpose.
Amor (Cupid)
A 'little fellow' (Gesellchen), 'naughty' (Schlingel), with a 'bold little nose' (kecke Näschen).
Attire: Implied to be lightly clad, perhaps with a 'swan fur coat' mentioned in his dialogue, but generally depicted as a classical Cupid figure.
Wants: To spread love (through his arrows), to understand the concept of 'love' as defined by humans at Christmas, to cause mischief.
Flaw: His pagan worldview clashes with Christian concepts of love, leading to confusion.
Remains a static character, expressing his confusion and playful nature.
Cheeky, mischievous, playful, confident, a bit arrogant, philosophical (in his own way), pagan.
The Child
A 'little child' (Kindchen) with 'blonde hair' (blonden Härchen) and a 'hot face' (heißen Gesicht). It has 'bare feet' (bloßen Füßchen) and 'little arms' (Ärmchen).
Attire: Implied to be in nightclothes, as it has just woken up and is walking barefoot.
Wants: Drawn by the sounds and magic of Christmas, seeking to interact with the 'angels from heaven'.
Flaw: Its innocence and physical warmth cause the snowflakes to melt.
Experiences a moment of pure joy and connection with the snowflakes, followed by bitter sadness when they melt, but ultimately finds comfort in the story of their journey.
Innocent, joyful, curious, affectionate, easily saddened, pure-hearted.
Locations
Northern Mountain Peaks and Forest
High, snow-covered mountains with deep ravines and rocky crevices. Dense, ancient fir (Tannen) forests with towering trees whose branches creak and whistle in the wind. Glaciers are implied further north.
Mood: Wild, majestic, dangerous, exhilarating, mysterious, with a sense of ancient power.
The snowflakes' grand ball, the wind's wild song of the Northland and the Ice Maiden, and the fir tree's initial existence and storytelling.
The Old Fir Tree's Branches
The sturdy, snow-laden branches of an ancient fir tree, covered in soft, deep snow where the snowflakes rest. The needles are green and fragrant, providing a cozy resting place.
Mood: Sheltered, comforting, wise, peaceful, a temporary haven from the wild wind.
The snowflakes rest on the old fir tree's branches, listening to its forest tales before their journey to the valley.
Valley House Interior - Christmas Room
A large, beautiful room within a house in the valley, decorated for Christmas. It features a grand fir tree adorned with many lights, tinsel (Rauschegold), and crystal ornaments. A nativity scene (heilige Krippe) is set up, and a Christmas table holds various festive items, including a large walnut shell and sugar mice.
Mood: Festive, warm, cozy, magical, but also with an underlying sense of superficiality and human complexity.
The snowflakes arrive here, encounter Amor and the Christmas decorations, and learn about the human celebration of Christmas, culminating in their interaction with the child.