Er Und Sie

by Lisa Wenger · from Amoralische Fabeln

fairy tale cautionary tale humorous Ages 5-10 1050 words 5 min read
Cover: Er Und Sie

Adapted Version

CEFR A1 Age 5 371 words 2 min Canon 100/100

King Wren and Queen Wren live in a home. They are happy. They build their nest in a fence. They do this every year. The nest is safe there. They are very happy birds.

One day, King Wren had a new idea. "I am a king," he said. "My nest must be high." "I want a nest in a tree." He felt very proud. A king lives high up.

Queen Wren felt sad. "A tree is not safe," she thought. "Wind blows there. Rain falls there." But she did not say much. She knew King Wren would not listen.

King Wren found a tall tree. It was a poplar. He chose the top branch. "This is my spot!" he said. He was proud.

Robin flew by. "Too high, King Wren!" he said. Raven flew near. "You are small," Raven said. "This is too high."

King Wren and Queen Wren built the nest. They worked hard. King Wren said, "This nest is the best." He felt very proud.

The nest was almost done. "See!" King Wren said. He was very happy. Queen Wren was still quiet. She looked at the sky. She felt a little worry.

That night, a big storm came. Wind blew hard. Rain fell down fast. The tree moved much. It was a bad storm.

The big wind broke the nest. Pieces flew away. King Wren was wet. Queen Wren was cold. They were scared. Their nest was gone.

King Wren looked at Queen Wren. He thought she would be angry. But she was quiet. She sat close to him. She did not say a word.

Raven was on his tree. "See!" Raven said. "I told you so!" He said it again. "See! See! See!"

Next morning, the sun was out. King Wren flew to the old fence. Queen Wren flew there too. "Our old home is good," King Wren said. "It is so nice here. Why did we leave?"

Queen Wren looked at King Wren. She fixed a feather. She did not say anything. She was a very smart bird.

Later, friends came to visit. "We are happy," King Wren said. "I am smart. I let her win." Queen Wren said, "Yes." She was a very smart bird.

Original Story 1050 words · 5 min read

Er und Sie

Es war einmal ein Zaunkönig, der mit seinem Weibchen in Frieden und Eintracht lebte. Alle Jahre bauten die beiden ihr Nest in einem Zaun, nicht ganz oben, damit es nicht hinein regne, und nicht ganz unten, damit keine Katze sie überraschen könne, sondern schön gerade in der Mitte. Jahr um Jahr taten sie das und waren glücklich und zufrieden dabei.

Aber einmal – kein Mensch wußte warum – fiel es dem Zaunkönig ein, sich einen andern Platz auszusuchen, um sich sein Nest zu bauen.

»Frau,« sagte er, »mir ist es verleidet, immer im Zaun herumzukriechen. Bin ich ein König oder bin ich es nicht? Also! Wenn ich aber König bin, so will ich auch hoch auf einem Baum nisten, wie es sich für einen König schickt!«

»Aber, Männchen,« sagte erschrocken die Zaunkönigin, »was fällt dir nur ein. So lange leben wir nun im Zaun und sind glücklich dabei, was willst du denn Besseres?«

»Gerade weil wir so lange im Zaun saßen, soll es nun anders werden. Und kurz und gut, ich will auf einer Tanne nisten, oder auf einer Pappel wie der Rabe.«

»Mann!« rief die Zaunkönigin, »du wirst doch nicht! Auf einer Pappel, wo Regen und Wind hindurchbläst, und der Sturm ....«

»Und kurz und gut, ich will auf einer Pappel nisten,« schrie der Zaunkönig noch einmal, »und morgen fangen wir an unser Nest zu bauen.«

Das Weibchen schwieg. Es war klug und wußte wohl, daß es nichts Gescheiteres tun konnte, aber daß die Sache schlimm ablaufen würde, das wußte es ebenfalls im voraus.

Früh am Morgen saß der Zaunkönig schon auf dem höchsten Zweig seines Zaunes und hielt Umschau. Er war stolz auf seinen Entschluß und überzeugt, daß die Vögel ihn bewundern würden ob seines Mutes und seines Unternehmungsgeistes.

Er wählte die allerhöchste Pappel aus unter den vielen, die da standen, besichtigte deren Äste und Zweige und fand endlich eine passende, geschützte Stelle, ganz oben, wo man das Land überblicken konnte. Erfreut flog er heim zu seinem Weibchen.

»So, Frau,« rief er, »nun können wir anfangen! Ich habe gefunden, was wir brauchen!« Seufzend band das Weibchen das Notwendigste in ein Bündelchen, streichelte zärtlich mit dem Schnabel sein altes Nestlein und folgte seinem Gemahl in die neue Heimat.

Als es sich auf dem Ast niederließ, den der Zaunkönig ausgesucht hatte, wurde ihm ganz elend zu Mute. Es durfte gar nicht daran denken, was geschehen könnte, wenn eines der zukünftigen Jungen da hinausfallen würde. Weil es aber wußte, daß es nun zu spät sei, etwas zu sagen, so war es wiederum ganz still.

Ein Rotkehlchen, das in der Nähe ihrer früheren Wohnung hauste, kam angeflogen, um zu sehen, was Zaunkönigs denn so lange auf der Pappel zu tun hätten.

»Wir bauen unser Nest,« sagte selbstbewußt der Zaunkönig.

»Was! Da oben auf der Pappel, wo der Regen herein kann und der Wind?«

»Schweig!« schrie der Zaunkönig, »das ist meine Sache und geht dich gar nichts an!«

»Gar nichts,« sagte vergnügt das Rotkehlchen und freute sich, daß die Sache schief ausgehen würde.

Darauf kam der Rabe geflogen. Er wohnte auf der nächsten Pappel.

»Ich gratuliere zu der neuen Wohnung,« krächzte er höhnisch, »du bist auch der Rechte, um hier oben zu wohnen, du Zwerg!«

Die Federn des Zaunkönigs sträubten sich vor Zorn. »Lümmel!« schrie er, »sieh du zu deinen Sachen und mach', daß du fortkommst.«

Aber der Rabe blieb sitzen und sah zu, wie das Paar Reiserchen zusammentrug, feine Halme und zarte Moose, und dachte bei sich, daß der Sturm sogar sein eigenes Nest, das doch aus fingerlangen und dicken Reisern gebaut war, schüttelte. Endlich flog er davon.

Der Zaunkönig fuhr fort, mit Feuereifer zu bauen, und sein Weibchen half ihm getreulich. Nachbarn kamen und fragten, was er denn da oben mache?

»Ich baue mein Nest,« sagte er jedesmal stolz, und die Vögel flogen weg und unterhielten sich über den Größenwahn des Zaunkönigs.

Nach einigen Tagen war das Nest fertig bis auf ein paar weiche Federchen und einige feste Grashalme, um es am Hauptzweig zu befestigen.

»Siehst du nun?« triumphierte der Zaunkönig.

Das Weibchen hätte sagen können, daß noch nicht aller Tage Abend sei, aber es war ein sehr kluges Weibchen und sagte nichts.

In der Nacht aber fingen die Blätter der Pappel leise zu zittern an, die schlanken Zweige bogen sich, Wolken ballten sich am Himmel zusammen, und Blitze zuckten. Der Regen klatschte nieder auf die Pappel und überschwemmte das neuerbaute Nestlein, der Wind zauste daran, und bei jedem Blitzstrahl sahen der Zaunkönig und sein Weibchen, wie ein Stück ihres mühsamen Werkes nach dem andern davonflog. Zuletzt wirbelte der Sturm das ganze Nest in die Lüfte.

Naß bis auf die Haut saßen die armen kleinen Vögel auf ihrem Zweig. Sie zitterten vor Kälte, die Hagelkörner trafen ihre zarten Körperchen, und in Todesangst streckten sie ihre Köpfchen unter die Flügel.

Der Zaunkönig hatte beständig nach seinem Weibchen geschielt, ob es nicht schelten werde, aber das gute, kleine Geschöpf mochte ihn nun nicht höhnen, da das Unglück über ihn gekommen war. Es schwieg ganz still und duckte sich so nahe an einen Ast, als es konnte.

Der Rabe auf der Pappel schrie aber in einem fort: »Siehst du wohl! Siehst du wohl! Siehst du wohl!«

Am andern Morgen, als der Himmel wieder schön blau auf die Vögelchen hinunterstrahlte, die Sonne schien und die Schmetterlinge herumflogen, glättete der Zaunkönig seine Federn, schüttelte sich und flog ohne weiteres seinem alten Wohnort zu.

»Es ist doch merkwürdig,« sagte er zu seiner Frau, als ob nichts geschehen wäre, »wie wohl es einem daheim ist! Ich begreife gar nicht, warum wir eigentlich fortgezogen sind!«

Das Weibchen zog ein widerspenstiges Federchen durch seinen Schnabel und glättete es. Es sagte aber nichts, sondern sah den Zaunkönig nur von der Seite an. Der sang seelenvergnügt in den Morgen hinein.

Am Abend kam Besuch, und man sprach von diesem und jenem. Auch von dem Glück des königlichen Paares.

»Nachbarn,« sagte der Zaunkönig, »ich und mein Weibchen, wir haben uns noch nie gezankt! Sie hat freilich einen harten Kopf und weiß was sie will. Aber ich bin der Gescheitere, ich gebe nach. Gelt, Frau!« Der Zaunkönig glaubte wahrhaftig, was er sagte.

»Natürlich,« sagte sie, denn sie war ein sehr kluges Weibchen. Der Zaunkönig nickte zufrieden, er hatte gar keine andere Antwort erwartet!

Finis

Gedruckt bei Oscar Brandstetter in Leipzig


Story DNA

Moral

Pride can lead to foolish decisions and unnecessary suffering, while true wisdom often lies in knowing when to remain silent and adapt.

Plot Summary

A contented Wren King and Queen always build their nest safely in a fence. One year, the King's pride leads him to insist on building their nest high in a poplar tree, despite his wife's silent apprehension and the mockery of other birds. A fierce storm destroys their new nest, leaving them terrified and exposed. The next morning, the King returns to their old fence location, acting as if nothing happened and praising the comfort of home, while his wise wife silently allows him his delusion, even agreeing when he later boasts about their harmonious relationship and his own 'wisdom'.

Themes

pride and humilitywisdom vs. follythe value of traditionthe comfort of home

Emotional Arc

contentment to suffering to restored contentment

Writing Style

Voice: third person omniscient
Pacing: moderate
Descriptive: moderate
Techniques: repetition, direct address to reader (implied through rhetorical questions), irony

Narrative Elements

Conflict: person vs person (internal marital conflict) and person vs nature
Ending: moral justice (subtly delivered)
Magic: talking animals
the fence (security, tradition)the poplar tree (ambition, exposure)the storm (consequences of pride)

Cultural Context

Origin: German
Era: timeless fairy tale

Lisa Wenger was a Swiss writer and artist, and her stories often featured animals with human-like qualities, reflecting simple moral lessons and domestic situations common in early 20th-century children's literature.

Plot Beats (14)

  1. The Wren King and Queen live happily, building their nest in a fence each year.
  2. The Wren King, out of pride, decides they should build their next nest high in a tree, like a king.
  3. The Wren Queen expresses her worries but ultimately remains silent, knowing it's futile to argue.
  4. The Wren King proudly selects the highest poplar tree for their new nest.
  5. Other birds, like the robin and the raven, mock the Wren King's foolish decision to build so high.
  6. The Wren King and Queen diligently build the nest, with the King boasting about his choice.
  7. The nest is almost complete, and the Wren King triumphs, but his wife remains silently wary.
  8. A violent storm breaks out during the night, with wind, rain, and hail.
  9. The storm completely destroys their new nest, leaving the wrens terrified and exposed.
  10. The Wren King glances at his wife, expecting scolding, but she remains silent and supportive in their shared misery.
  11. The raven continuously taunts them from a nearby tree.
  12. The next morning, the Wren King flies back to their old fence spot, acting as if nothing happened and praising the comfort of home.
  13. The Wren Queen silently observes him, not contradicting his self-serving narrative.
  14. Later, the Wren King boasts to visitors about their never-ending harmony, claiming he is the wiser one who always gives in, and his wife agrees, being a very clever female.

Characters

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The Wren King

bird (wren) adult male

A small, compact bird, typical of a wren, with a plump body and a short, cocked tail. His feathers are a rich brown, mottled with darker markings, giving him a camouflaged appearance. He is agile and quick in his movements.

Attire: Natural brown and mottled feathers, typical of a wren. No artificial clothing.

Wants: To prove his 'royal' status by nesting in a high, prominent location, like larger birds, and to be admired for his courage and enterprise.

Flaw: His excessive pride and stubbornness, which lead him to ignore practical advice and deny his own errors.

Starts as a proud, ambitious bird who insists on a dangerous, high nesting spot. He suffers the consequences of his pride but quickly reverts to his old ways, denying his mistake and even twisting the narrative to portray himself as the wise one.

A small wren with a puffed-out chest and a proud, almost defiant expression, perched on a high, exposed branch.

Vain, proud, stubborn, self-important, and ultimately forgetful of his own mistakes. He desires admiration and status.

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The Wren Queen

bird (wren) adult female

A small, delicate bird, slightly smaller than her mate, with soft brown feathers and subtle, darker markings. Her movements are graceful and cautious.

Attire: Natural soft brown and mottled feathers, typical of a wren. No artificial clothing.

Wants: To ensure the safety and well-being of her future offspring and maintain peace in her relationship, even if it means enduring her mate's foolishness.

Flaw: Her quiet nature and reluctance to openly challenge her stubborn mate, which allows his misguided decisions to proceed.

Remains consistent throughout the story, acting as the voice of reason and practical wisdom. She endures her mate's folly and the subsequent disaster with quiet fortitude, ultimately accepting his self-deception for the sake of peace.

A small wren with a gentle, knowing expression, looking sideways at her mate with quiet resignation.

Wise, patient, practical, loyal, and quietly resigned. She understands her mate's flaws but chooses not to confront him directly, knowing it's futile.

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The Robin

bird (robin) adult unknown

A small, plump bird with a distinctive bright orange-red breast and face, contrasting with olive-brown upperparts. Its legs are slender and dark.

Attire: Natural feathers: bright orange-red breast and face, olive-brown back and wings. No artificial clothing.

Wants: To observe and comment on the Wren King's unusual behavior.

Flaw: A tendency to be a busybody and take pleasure in others' potential failures.

A static character, serving as an observer and commentator.

A robin with its bright orange-red breast, tilting its head with a curious, slightly smug expression.

Curious, gossipy, and somewhat schadenfreude-filled, taking pleasure in the Wren King's likely misfortune.

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The Raven

bird (raven) adult unknown

A large, imposing bird with glossy black feathers that shimmer with iridescent blues and purples in the light. Its body is robust, and its wingspan is considerable. Its legs are thick and strong.

Attire: Natural glossy black feathers. No artificial clothing.

Wants: To assert his dominance and mock the Wren King's hubris.

Flaw: His arrogance and tendency to gloat.

A static character, serving as a foil and a voice of harsh reality.

A large, glossy black raven with a powerful beak, perched with a cynical, mocking expression.

Sarcastic, cynical, condescending, and enjoys mocking others, especially those he considers inferior.

Locations

The Old Fence

outdoor Implied pleasant weather for nesting, then sunny and calm after the storm.

A sturdy, well-established fence, likely made of weathered wood, with various nooks and crannies. The wren's nest is built securely in the middle, protected from rain from above and predators from below. The surrounding area is a typical German countryside, possibly with meadows or a garden nearby.

Mood: Cozy, safe, familiar, peaceful, later nostalgic and comforting.

The wrens' traditional, happy home for many years; the place they return to after their disastrous experiment.

Weathered wooden fence Securely built wren's nest Green foliage/vines on the fence Nearby garden or meadow elements (burdock, wild flowers)

The Tall Poplar Tree

outdoor morning (building), night (storm), morning (after storm) Initially calm, then a severe night storm with rain, wind, lightning, and hail. Later, clear blue sky and sunshine.

A very tall, slender poplar tree, characteristic of European landscapes, standing prominently among others. Its branches are high and exposed, offering a wide view of the surrounding land but little shelter. The leaves are prone to trembling in the wind.

Mood: Ambitious, exposed, precarious, ultimately terrifying and desolate.

The wren king's ambitious but ill-fated new nesting site; the destruction of their nest during a violent storm.

Very tall, slender poplar tree High, exposed branches Newly built, fragile wren's nest (before destruction) Dark storm clouds, lightning, heavy rain, hail Other poplar trees in the distance (where the raven lives)